Unerkannt bekannt

Eigentlich soll ich auf Grund vorzeitiger Wehen das Bett hüten, aber wenn der Frühling endlich in die Stadt kommt, muss das genutzt werden.
So sitzen der Liebste und ich also heute nachmittag draußen vor der LUISE und essen hausgemachten Kuchen knapp vorm Cityring.
Ganz Leipzig ist mit uns draußen.
Da sehe ich ihn von hinten.
Ein Mann mit schwarzen Hochwassercordhosen, Gitarre auf dem Rücken, Hut auf den braunen Locken.
Keiner beachtet ihn.
„Das ist doch Gerhard Schöne.“ sage ich dem Liebsten.
„Nee. Der ist viel zu jung.“ meint er.
Da dreht sich der Mann um.
Und er ist es doch.
Bekannter Singer/Songwriter zu DDR-Zeiten, großartiger Liederschreiber für Groß und Klein. Sagt oft, was sich keiner zu sagen traut und macht so schöne und traurige Lieder, dass werdende Muttis schon mal losweinen müssen bei so schöner Musik.
Wir sollten ihn zum Kaffee einladen oder so.
Tun wir aber nicht.
Er dreht sich wieder um und läuft weiter, zum Bahnhof wahrscheinlich. Nach dem Konzert, dass er wohl gerade im städtischen Schauspielhaus gegeben hat.
Kein Auto vorm Theater, keine Menschenmassen und trotzdem, dieser Mann hat meine (und sicher so manch andere) Kindheit geprägt wie kein anderer. Er ist der Künstler, von dem ich am meisten Konzerte gesehen habe. Und hier erkennt ihn keiner.
Doch ich werde dafür sorgen, dass zumindest unser Kleines mit ihm aufwächst.
Und wer ihn noch nicht kennt, sollte das wirklich nachholen.

Gerhard Schöne

Actually I am supposed to spend my days in bed, because of too early contractions.
But today Spring finally arrived in town, so I just had to get out for a bit.
We decide to go to a comfy Cafe in town, where you get a coffee or tea plus a piece of lovely homemade cake for only 3 €!
Spring has all Leipzigers out of their appartments.
That’s when I see the guy.
He wears too short old black trousers, a black hat on his brown locks and a guitar on his back.
Nobody takes any notice of him.
Except me. I know who he is.
„Look, this is Gerhard Schöne I tell my husband.“
He is sure that I am wrong.
But the man turns around.
It is him!
We both get excited, probably as excited as a teenager would get who meets Justin Bieber or whoever similar.
He was a famous singer/songwriter in the GDR. His songs are for kids and adults. He wrote tons of them and they are all so good and so true. (And some are so sad that they make pregnant women cry 🙂 We both grew up with him and he’s the guy I saw the most concerts of.)
But as I said, nobody else notices him.
We should have invited him for a coffee or so. But we don’t.
He turns around again and walks on.
To the train station probably.
On his own, after a concert he just played.
(See video above and check his homepage, if you like. There’s sadly no English page about him.)

Uni stories

Please scroll down for an English translation

Die Vorlesung „Die Musikgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“ gehört zu einer der Veranstaltungen, die für das Seniorenstudium geeignet sind. DAS HEISST für den NORMALO-STudent:
Keinen Sitzplatz – Omis sind IMMER anwesend
Besserwisserei und VIELE dumme Fragen
und ständig umgeben zu sein von dem frischen Geruch alternden Fleisches gemischt mit Kölschwasser (also fast so wie im Pflegeheim, nur ohne Urin) und ich mittendrin.
Stehen muss ich zwar nicht, dafür bin ich eingekreist von Brigitte, Erdmute und Horst.
Erdmute und Horst scheinen ein Pärchen zu sein, zumindest tauschen sie Körperflüssigkeiten aus (und dabei hält sich unsereins an die Regel keine Küsse in der Uni), Brigitte und ich sind davon überhaupt nicht begeistert.
Der Prof beginnt mit Geplänkel, Zusammenfassungen und Prüfungsordnungen, also widme ich mich kurz noch wichtigen Briefen an Geldgeberstellen, ganz leise versteht sich, aber zu laut für Brigitte.
Die feuert sogleich halblaut Beschimpfungen ab a la „Wenns Sie nicht interessiert…; FRÜHER hätte…, WIR waren damals; Sie wollen doch bloß den Schein…“ und so weiter, ich ignoriere sie gekonnt und schenke meine volle Aufmerksamkeit nun dem Prof, der endlich beim Wichtigen angekommen ist.
„Von wem ist La Traviata?“ fragt er – mein Arm schießt hoch. „Verdi“ „Wissen Sie sonst noch etwas darüber?“ „Mmh: Uraufführung so 1850, es geht um eine Prostituierte…“ und dann lege ich mal kurz los, Eigentlich bin ich eher jemand, der ganz hinten sitzt und sich nicht einbringt, aber manchmal muss man eben ein Bisschen klugscheißen. Die gute Brigitte kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Als ich meinen Vortrag beendet habe wendet sie sich zu mir mit den Worten (und einem leichten Verwesungsgerucht der ihrem Mund entströmt) :
„Also jetzt muss ich mich wirklich bei Ihnen entschuldigen. Es interessiert Sie ja doch. Und als Zeichen meiner Versöhnung schenke ich Ihnen dieses Kugelschreiber.“ Sprachs und überreichte mir einen wirklich wunderbaren sehr edlen Kuli.

The lecture „The history of music in the 19th and 20th century“ is one at our Uni, which seems to be extra interesting for granny students, which means for the avarage student:
extra full rooms and no seat, because senior students always attend every lecture and always arrive extra early. It also means a lot of stupid questions and unnecessary comments and the odeur of old flesh and sweat.
I got a seat, but I am sitting in between lovely Erdmute and Horst and Brigitte. The first two seem to be a couple, since they keep on kissing and touching (definitely stuff you don’t want to see at 5pm!
The Teacher starts with stuff about the exams, dates and so on, I use the time to write another letter to people who stopped paying me, nice and quiet of course, but not quiet enough, Brigitte feels very disturbed and starts getting VERY angry:
„YOU don’t belong here!“ is one of the nicer things she tells me, but I do not listen and start concentrating on what the teacher has to say. He asks a question about La Traviata, an opera and that’s one thing I know about, so I start talking (and talking…)
I think Brigitte stopped breathing, but as I finish she turns to me and says:
„My dear Miss, I am very sorry, I was wrong about you. So now take this biro to show how sorry I am.“
From now on I’ve got one more (very posh) Biro.

public transport – öffentlicher Nahverkehr

Today I want to tell you something about travelling with kids in public transport inspired by mama for sale .
There’s two stories I have  to tell, both happend with my friend Ally’s kids.
Inspiriert von mama for sale geht es heute um die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln mit Kindern. Für die deutsche Übersetzung bitte nach unten scrollen.

Number one:
Ally’s little boy, as precious as he is and as much I love him, can be quite hard work. What helps to calm him down, is being carried in the sling, so sometimes I pick him up from his home, tie him to my body and take him out to trips to the library, to do printing for Uni and so on, so his mum can take a breath. (And how do I love this little one asleep on my chest!)
On day he is fast asleep and cuddled up to my chest. We get in on the stuffed tram, it’s so full, I can’t even get a hold of any handle.
Suddenly a man shouts through the whole waggon:
„You’re strangling him!“ I don’t react, because I didn’t realize he was talking to me.
„You, girl, YOU ARE STRANGELING IT!“
I finally consider to be talked to, try to show the man (who has quite a good view on my breasts while I do that) how the little one can breath, try to tell him how much he likes this and so on.
It doesn’t help, he yells and yells at me, so that I finally get off the tram and walk the last two stations.

Number two:
I am sitting in the tram with my beloved and Ally’s beautiful little girl, we are on our way to the Zoo. We keep getting the girlie excited for all the animals she’ll see at the Zoo in English, because she doesn’t speak any German, but with each other we still speak our mother tongue, which is German.
After a few stops the man in front of us turns around and asks in a disgusted voice. (and in German)
„You are German, right?“ We nod.
„And SHE doesn’t speak any German?“ We nod again.
„Why are you teaching her improper English then and not proper German?“
I don’t remember what we said, but we should have just pretended, that we actually ARE English, and not German. (I did that the next time, when something similar  happened at the Zoo – it worked pretty well :-D)

Nummer Eins:
Ich bin mit dem Söhnchen der australischen Freundin unterwegs, der sich im Grunde nur durchs Getragenwerden im Tuch beruhigen lässt. Wir steigen in die Bahn ein, er schlummert friedlich und schön warm eingepackt im Tragetuch, die Straßenbahn ist rappelvoll, ich habe nicht mal eine Stange zum Festhalten.
Plötzlich brüllt es durch die Bahn (in feinstem Sächsisch übrigens):
„Sie eorschtickn den doch!!“ Ich reagiere nicht, denn ich gehe nicht davon aus, dass ich gemeint bin, da ruft es wieder: „Sie, mid dem Kleeen, sin gemeent! Sie erschtickn den!“
Ich will das natürlich klären zeige, wie de Kleine friedlich schläft, mit voller Luftzufuhr. (dabei hat der Alte übrigens einen ziemlich guten Blick auf meine Brüste)
Es hilft nichts, der Opi schimpft weiter wie ein Rohrspatz, so dass ich schließlich aussteige und die letzten zwei Stationen zu Fuß gehe.

Geschichte Nummer zwei.
Diesmal sind der Liebste und ich mit der großen Schwester des Miniaustraliers mit der Straßenbahn unterwegs in den Zoo.
Da sie nur Englisch versteht, versuchen wir in ebendieser Sprache ihre Vorfreude auf die Tiere zu schüren, zwischendurch sprechen wir deutsch miteinander.
Irgendwann dreht sich der Mann vor uns um  und fragt, ob wir Deutsche wären, wir bejahen.
Darauf fragt er abfällig: „Wieso spricht dann ihre Kleine nur Englisch? Sollte sie nicht erstmal richtiges Deutsch lernen, bevor sie ihr falsches Englisch beibringen?“
Darauf fällt uns nichts passendes mehr ein. (so schlecht ist unser Englisch im Übrigen auch nicht!)

Aber das nächste Mal, als ich mit dem gleichen Kind dasselbe gefragt werde, tu ich einfach so, als würde ich kein Deutsch verstehen. DAS war dann ziemlich lustig. 😀

 

 

Erziehung heute

Der Liebste und ich stehen im Supermarkt an der Kasse. Es ist früher Abend, es ist Vorweihnachtszeit, die Leute sind genervt, es ist voll.
Hinter uns eine Mutti mit etwa achtjährigem dicklichen presswurstähnlich aber in den tollsten Designerklamotten gekleideten Sohnemann.
Er quengelt nach dem superdupertollen Kaugummi, die Mutter sagt nein, er quengelt lauter.
Der Kassierer greift in seine Tasche, zieht ein Paket Kaugummi raus und reicht eins davon dem Dickie, in der Hoffnung, er würde die Quengelei aufgeben.
Und, was sagt man da Dickie?
„BLOSS EINS?“

(Und denkt euch nur, Dickies Frau Mutter lachte auch noch über ihren Lustigen Sohnemann und kaufte das Päckchen Kaugummi trotzdem!)

…und margarete audrey rannte schreiend und kopfschüttelnd davon

mind your own business

Ich bin nicht zu dünn und nicht zu dick.
Ich ernähre mich meistens gesund, mache einmal in der Woche Sport und fahre mit dem Rad zur Uni. Eigentlich bin ich ganz durchschnittlich und manchmal überkommt mich  einfach der Hunger nach fastfood.
So wie heute.
Also auf zum Bürger König und einen Burger bestellt. Ja, auch Pommes. Getränk: „COLA, bitte.“
Darauf mustert mich die Verkäuferin abwertend von oben bis unten.
„Wir hätten auch Cola light oder Coke Zero.“ teilt sie mir abschätzig mit.

(Wie gesagt, ich wiege nicht zu viel.)
„Nein, COLA. MIT ZUCKER. UND DER VOLLEN KALORIENZAHL. DENN WENN ICH COLA WILL, DANN TRINK ICH AUCH WELCHE!!!!!!“