Schwarz-Weiß Malerei

Da das Trubelmädchen und ich beide Mal Pädagogen sein werden, machten wir uns gestern auf, uns weiterzubilden.
Ein Vortrag sollte es sein, über Rassismus in der Kinderliteratur.
Statt fand er in unserer allerschönsten Unibibo, daher dachte ich auch irgendwie, er wird von Professuren gehalten und auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen, aber falsch gedacht, denn es sprach eine Dame vom AntiDiskriminierungsbüro.

Zuerst wurde uns mitgeteilt, dass es keinen einzigen Helden in deutschen Kinderbüchern gibt, der schwarz ist – mag sein, aber gibt es afrikanischen Kinderbüchern weiße Helden?
Als nächstes lernten wir die besonders bösen „Klassiker“ aus dem Kinderzimmer kennen, welche Kindern eindeutig rassistische Ideologien vermitteln zum einen Der Struwwelpeter und andererseits Robinson Crusoe.
Ich stimme der Referentin zu, beide diese Bücher vertreten rassistische Ideologien, zum Beispiel bei Robinson, dessen Freund Freitag sich ihm völlig unterwirft, weil er schwarz ist, aber wer liest denn diese Bücher seinen Kindern vor? Der Struwwelpeter ist ein grausames Buch, Daumenlutschern hackt man die Daumen ab, Kippler werden lebendig begraben und wer Muttis Süppchen nicht mag, muss elendig verhungern.
Auch die Geschichte von Robinson, der auf einer einsamen Insel strandet mag spannend klingen, aber hat schon einmal jemand versucht, dieses Buch zu lesen? Es hat 312 Seiten, auf denen fast nichts passiert, außer dass Robinson seinen Einklang mit Gott findet. Zudem ist es keinesfalls spannend oder etwa verständlich geschrieben, sodass ich nicht glaube, dass irgendein Kind von heute dieses Buch freiwillig in die Hand nehmen würde.
Das dritte vorgestellte Buch war da schon eher ein Klassiker: Pippi Langstrumpf.
Ja, auch die gute Astrid Lindgren, die uns ein ganzes Bücherregal bester Kinderbücher bescherte ist Rassistin. Zum einen wird in ihren Büchern das „N“-Wort verwendet (Zitat der Referentin), zum anderen werden die Schwarzen völlig verfälschlicht dargestellt, mit Baströckchen und unterwerfungswillig, weil die Weißen eine „so feine Haut haben“.
Der Oettinger Verlag reagiert seit 2010 auf diesen Rassismus. Aus Pipis Papa dem Negekönig ist ein Südseekönig geworden, die Taka-Tuka-Kinder heißen nicht mehr Negerkinderchen sondern Schwarze.
Ich hoffe das wird helfen, den Rassismus einzudämmen, es ist auch wirklich nichts dagegen einzuwenden, Bücher ein wenig mehr „migrantenfreundich“ zu gestalten. Aber vergessen wird dabei, dass Pippi Langstrumpf mittlerweile 65 Jahre alt ist. Damals war das Verhältnis zu Farbigen noch ein anderes und das Wort „Neger“ eventuell noch gar nicht negativ konnotiert wie heute. Und wer Pippi genauer liest, merkt schnell, dass diese gar nicht Negerprinzessin sein will und das Unterwerfen der takatukanischen Kinder für ein Spiel hält. Und zudem ist die Frage: Wie viel bekommen Kinder vom Rassismus eigentlich mit? Ist des Unterwerfen der Takatuka-Kinder bei Pippi Langstrumpf schlimm für ein farbiges Kind? Oder beschäftigt es Kinder genauso wenig, wie der Verbrennung der Hexe am Ende von Hänsel und Gretel?

Den Abschluss des Vortrages bildeten übrigens Bücher, die gerade das Gegenteil des Rassistischen darstellen, ein Miteinander verschiedener Kulturen. In einem der Bücher ging es dabei um eine Schlange und eine Eidechse, die trotz ihrer Verschiedenheiten zusammenlebten und sich zum Essen bespielsweise einfach Rücken an Rücken setzten, um dem anderen nicht zuschauen zu müssen, wie er seine Ekelhaftigkeiten verspeiste.
Die Referentin lobte das Buch in höchsten Tönen und ich fand es auch toll, bis sie uns das Ende der Geschichte erzählte: Da sagt die Echse der Schlange, dass sie ihren Kleinen Bruder verloren hätte und endet ihre Erzählung mit „Der war so süß.“ worauf die Schlange sich genüsslich den Mund leckt und antwortet: „Das stimmt.“

Eine Woche Held sein…

Die letzte Wochen musste ich mich von acht bis zwölf täglich anhimmeln, bewundern und vergöttern lassen.
„Du hast aber eine schöne Schrift, margarete_audrey.“
„Spielst du schon lange Gitarre, das klingt voll schön.“
„Die Stunde hat aber viiiel Spaß gemacht.“
„Dd bist genauso lieb wie meine Mama.“
„Kommst du morgen wieder zu uns?“

Vielleicht habt ihr es schon erraten, ich war in einer Grundschule (mit dem Liebsten zusammen) tätig. Als Aushilfe für eine hiesige Gruppe, die in Schulen Projekte organisiert, unterichtete ich Klassen 1 bis 4 zu dem Thema „Unsere Musikstadt“. Es wurde gebastelt, gemalt und natürlich gesungen und über Musikerbiographien gesprochen, die mit unserer Stadt in Zusammenhang stehen.
Ich musste den Kindern hauptsächlich Lieder beibringen. Leider waren es nicht ON SE FLUHR, WAKKA WAKKA (wahlweise auch LOKAH LOKAH) oder eines der wunderbaren LADY KACKA songs, die die Kids normalerweise als Lieblingslieder angaben (und in den Pausen lauthals durch die Gänge posaunten).
Nur den Geschmack eines Kindes traf ich mit unsererm von der Projektleitung vorgegebenen „Das Wandern ist des Müllers Lust“ : Sein Lieblingslied: „Bunt sind schon die Wälder“…
Aber auch wenn Klassik oder Volkslieder eher das sind, was Lisa-Marie samstags bei Oma immer im Fernsehen anschauen muss, oder wohin Kai laut seiner Aussage von Opa immer „mit hingeschliffen“ wird, sangen spätestens beim Wandern über den Schulhof alle mit.
Und konnten wir alle Strophen dieses wunderbaren Liedes, zog ich noch ein Ass aus dem Ärmel: Dieses  „Prachtstück“ aus Dunkeldeutschland.
Und wer jetzt denkt, dafür wurde ich von der ON SE FLUHR Generation ausgelacht, der irrt!
Dieses Lied lässt das Klassenzimmer (UND so manche Grundschullehrerin) rocken!
Und sogar der skeptische Liebste und ich singen es nun AUSWENDIG den ganzen Tag und können NICHTS dagegen unternehmen.

Gelernt habe ich dieser Woche übrigens NIEMALS wieder zu sagen: „Das könnt ihr heute aben Mami und Papi vorsingen/zeigen/erzählen“ Denn darauf folgt mit Sichheit: „Ich hab aber NUR Mami“ „Kann ichs auch dem Onkel Klaus zeigen?“ oder sogar „Aber ich wohne doch bei meiner Oma!“

Außerdem wurde ich von den Lehrerinnen vor jeder Stunde gewarnt:
„Machen Sie BITTE nichts Offenes, das sind unsere Kinder nicht gewöhnt, die WOLLEN von der Tafel abschreiben.“
oder auch
„Wenn ‚die vorne‘ mitmachen, dann haben Sie schon viel geschafft“
ersetzbar durch
„Auf Justin/Jason/Melanie müssen Sie keine Rücksicht nehmen, die können sowieso nichts und stören bloß.“

FAZIT
Um Grundschüler zu beeindrucken reichen 2 Stunden Gitarrenunterricht, drei Akkorde und voll schöne Schrift.
Es gibt keine intakten Familien mehr.
Und vor allem: BLOSS NICHT AUF JEDEN EINZELNEN SCHÜLER EINGEHEN.