Über margareteaudrey

"Schreib über dein Leben!" sagen Freunde von margarete audrey immer mal wieder und tatsächlich passieren ihr auch des öfteren unmögliche/traurig-schöne/lebens(lesens?)werte Sachen und sie trifft inspierierende und liebende Menschen. Die wichtigsten sind wohl der Liebste und "die Schwedden" wohl aber auch Lebensetappenmitgeher (und solche die länger bleiben und auch solche, die schon gegangen sind...). Ihre Zeit verbringt margarete audrey am Liebsten mit ebendiesen Leuten, am Klavier, als Kindermädchen, kochend oder Neues versuchend.

zwei

Es ist Oktober. Der Sommer ist vorbei. Dein Pukybike, was du an diesem 27.08. von deinen Großeltern geschenkt bekamst, fährst du mitlerweile wie ein Profi und das Herzgeschenk,  Püppchen LILO von den Mamis (und bestem Schenkerduo der Welt!) deiner besten Freundin ausgesucht haben wir inzwischen schon dreimal verloren und wiedergefunden, weil du sie überall mit hinnehmen musst.
Aber dennoch, auch wenn dein zweiter Geburtstag, das gemütliche Gartenfest mit allen Freunden Geschichte sind, dein Jahresbericht soll nicht untergehen.

Erst einmal vorweg, du bist ein wunderbares kleines Wesen. Zart und zerbrechlich, eine kleine Elfe und sowas von ein Mädchen. Püppchen, „Bang-gen“ (=Spangen), „ahm-band“ (=Armband), „Zöpfchen“ sind deine Welt und ohne „Leid-sche“ (Kleidchen) geht ja schon mal gar nichts. Mich überrascht das, war ich doch eher ein wildes Draufgängerkind und hatten wir doch zu Anfang eher eine Jungsausstattung hier.

Obwohl ich ja großer Fan der Babyzeit bin, der Duft, das Kuscheln, das ganze „Hachz“ und Schmelzdahin, finde ich das zweite Jahr fast noch wunderbarer, wird doch aus so einem hilflosen Wesen plötzlich eine Persönlichkeit. Und so wurde aus unserem friedlichen Mäuschen ein kleines großes Mädchen, dass seinen Kopf durchsetzen kann und will. Und das ist nicht immer einfach (gewesen). Hier besteht eine starke Ähnlichkeit zwischen uns, ist doch mein Kinderfotoalbum mit allerhand Fotos eines wütenden sich knallrot brüllenden Kleinkindes gespickt. (Anscheindend haf es bei mir die Kamera herauszuholen, dass ich mich halbwegs beruhigte.) Das war und ist nicht immer ganz einfach für uns, vor allem weil deine Methode deinen Willen durchzusetzen lautes Kreischen ist. Meine Nerven lagen das eine oder andere Mal blank.
Aber das ist zum Glück nicht Hauptzustand hier. Meist bist du ein wunderbares sehr soziales Kind. Du liebst Babies, streichelst sie, willst sie halten und küssen. Gerade hilfst du mir immer ganz toll mit unserem Tageskind. „Mama, Lia weint. Mama, Lia Ahm nehm. Muss Lia Kussi geben.“ and so on. Jeden Abend vor dem ins Bettgehen gibt es ungefragt lange (und feuchte) Küsse für alle Familienmitglieder. Sowieso bist du sehr auf Nähe und Körperkontakt aus. Du stillst immer noch sehr gern und sehr viel. Über den Sommer habe ich versucht, dich tagsüber abzustillen, naja, Ergebnis eher mäßig. Du wirst gern und oft getragen, aber immer „Vonne, Bauch, Mama“ bloß nicht am Rücken. Nachts schläfst du noch immer in meinem Bett. Zwar schläst du seit wir die neue Wohnung haben in deinem „Höhlebett“ ein, unter dem Bett deines Bruders, aber meist bist du im „große Bett“ (was jetzt mit 2,80 Liegefläche wirklich big enough ist) bevor wir ins Bett gehen. Einschlafen klappt nach wie vor nur mit Stillen, aber ich bin da bei dir viel gelassener als bei deinem Bruder, du wirst schon nicht mehr Stillen, wenn du in die Schule kommst.

Du hast viel gelernt in deinem zweiten Jahr, sprechen zu allererst. Aus einem zaghaften „Hallo“ kurz nach dem ersten Geburtstag zu deinem Bruder wurden Tier- und Fahrzeuggeräusche (Tütaaa, Bagga, gag, wau). Lustigerweise sagst du bei „Wie macht der Hase?“ immer noch „I-Ah“ keiner weis warum. Dein erster 2-Wort-Satz ist mit 16 Monaten „Mama, Milch!“ und das war ja irgendwie klar. Bei jemendem, der erst mit 13 Monaten seinen ersten Zahn kriegt, auch irgendwie nicht verwunderlich. Mit anderthalb sprichst du die meisten Namen deiner dich umgebenden Perosonen zum Teil mit süßen Abwandlungen. Da wird „Rarah“ aus Sarah und „Lelena“ aus Helena. Theodor ist bis heute „Dedor“. Ab 21 Monaten sprichst du dann serh verständlich.
Hinzu kommen fragmenthaft Lieder. Da vor allem die mit Bewegungen. Favoriten eindeutig „Open shut them“ was wir immer bei Tiny Tots, unserer Krabbelgruppe singen und unser Tischlied „Mit Fingerchen, mit Fingerchen“
Erste Sätze sind „Wo isse Papa?“ und  „Winnel nain. Lubbi a-ziehn!“ (Lubbi=Schlübbi) Damit läutest du auch gleich eine neue Ära ein – mit 22 Monaten bist du trocken. Anfangs sogar auch nachsts meistens, gerade ist wieder jede Nachtwindel voll. Aber eine Windel am Tag mit 2 Jahren ist schon okay. 😉

Deine ersten Schritte verpasse ich, darüber bin ich jetzt noch geknickt. Gerade als ich mit deinem Bruder beim Arzt sitze machst läufst du los, zum Glück zückt Papa gleich die Kamara, da bist du 13 Monate alt.
Puky Wutsch und ein Zweirad mit sehr dicken Reifen von die „Muggat“ (=Motorrad) genannt, fährst du mit 19 Monaten.
Den Winter über gehen wir zum Kleinkindschwimmen als komplette Familie, das genießt ihr beide und es ist eine schöne Aktion, bevor Papa ab Februar seinen Job als Referendar beginnt und plötzlich viel weniger Zeit hat. Gefühlt klebst du seitdem noch viel mehr an mir. Kurz nach dem Referendariatsbeginn fliegen wir nach England, dein erster Flug, den du super meisterst.

Mit 18 Monaten entdeckst du das Wort „Alleine!“ und dessen Bedeutung.Es ist wunderbar, was du plötzlich kannst und können willst, geht aber natürlich bei Sachen, die dein Können überschätzen auch mit Frustration und Wutgeschrei daher. Ich habe das Gefühl, dass der Drang nach Selbstständigkeit bei dir besonders stark ist, was dich aber auch Dinge tun lässt, die sonst eher ältere Kinder tun.
Das alles aber am liebsten, wenn vor allem deine „Maaaa-miii“ (und die Boobies) dir ganz nahe sind.

Meine süße Tochter, es ist toll dich als Kind zu haben. Ich freue mich, dass wir nun mit dem Kitastart deines Bruders etwas Zweisamkeit gewinnen. Es macht mich glücklich, dass wir so eng miteinander verbunden sind, auch wenn das bis jetzt für mich wenig Zeit ohne Kinder bedeutet (der erste Versuch einer Nacht außerhalb meinerseits ging für den armen Papa ganz schön in die Hose…) Aber zumeist genieße ich es, dich zu tragen, zu stillen und immer bei mir zu haben.
Wir lieben dich sehr, Zaubermaus.Auf ein tolles drittes Jahr.

 

Life lately

Ich puste mal eben schnell die Staubflocken weg, es sind so viele, dass ich einen Hustenanfall bekomme. Seit gefühlten Jahren fuhr ich eben meinen ebenfalls bestaubten Laptop hoch – der Grund: Besuch bei der Lieblingscousine, die mir Arbeitszeit für eine bereits eine Jahr nicht geschriebene Hausarbeit verschafft, aber ich wälze mich lieber eine Runde in Prokrastination. Darin habe ich meinen Master schließlich schon längst, der vom Lehramt muss warten.
Allerdings auch hier langsam Druck im Nacken, akreditiert ist dieser nur noch bis September 2018 – mit dem Wissen im letzten Semester einen popeligen Praktikumsbericht geschafft zu haben brechen auf der Stirn die Schweißperlen aus – ein Praktikum samt Bericht, drei Hausarbeiten und dieses böse Omen MASTERARBEIT hängen in zu naher Ferne wie ein Damoklesschwert über mir.
Eigentlich sollte ich jetzt Druck haben, aber dann taf ich diese Woche doch auf einen dieser seltenen Fälle von Familienfreundlichkeit an der Universität Leipzig, in Form eines Dozenten, der von sich aus vorschlug, die Sprechstunde neben mir laufend im Park zu verbringen, damit meine Kinder ihren Mittagsschlaf im Fahrradanhänger machen könnten. Plan ging zwar nicht auf, aber er hatte sowieso Plan B in Form von Kakao und Keksen in petto. Der Gute verlängerte mir meine noch nicht angefangene Arbeit sofort bis Ende Januar. Leider kommt soviel Familienfreundlichkeit dann doch nicht von ungefähr, denn dieser wirlklich herzensgute Mensch, bei dem ich sogar mal was gelernt habe, ist jüngst selbst zum dritten Mal Papa geworden.
Ich sitze nun also hier und rechne, 4 Semester für 5 Arbeiten – geht irgendwie nicht auf, merkt sogar ein Nicht-Mathegenie wie ich.
Schaffe ich das trotzdem? In schlechten Momenten denke ich, auch gleich hinschmeißen zu können, weil sowieso nicht, is klar.
Andererseits: Mein Mann ist gerade im Ref. Wem das nix sagt, weil im Freundes- und Bekanntenkreis noch nicht erlebt:
Er wird zum Lehrer ausgebildet, heißt, ständig unter Beobachtung, ständig sinnlos lange Unterrichtsentwürfe und Reflexionen dazu der normale Schulalttag plus 8 Stunden (=ein Arbeitstag) Autofahrt pro Woche plus Seminar. Ich finde trotzdem, er macht das ganz gut, zumindest saß er noch nicht die ganze Nacht, wie wir es von Leidensgenossen kennen. Dennoch war der Umschwung von zwei sich immer kümmernden Eltern auf mehr oder weniger Single Mom hart.
Weil uns das dann irgendwie nicht so gereicht hat, sind wir mal eben im größten Stress (und nach anderhalbjähriger Suche…) von knapp 70 auf knapp 100 m² umgezogen. Es versteht sich, dass wir das IN DER SCHULZEIT und mit Kindern, die noch nicht in die Kita gehen, gemacht haben. Ach ja, den in der Umzugswoche grassierenden Magen-Darm-Virus haben wir natürlich auch noch mitgenommen. War ja gratis.
Mitten in diesem Durcheinander heirateten einmal meine beste Freundin und  dann sein bester Freund – zwei tolle Hochzeiten, bei denen wir leider nicht in dem Umfang helfen konnten, wie wir wollten, gefeiert und genossen haben wir trotzdem ordentlich.
Und nun?
Haben wir auf einmal eine riesige Wohnung, was das Leben ungemein erleichtert. Der ganze Pack- & Vorsommerferienstress scheint irgendwie vergessen. Dazu trage ich nun auch etwas zur Haushaltskasse bei, indem ich für 10 Stunden die Woche ein süßes 7-Monatsmädchen betreue. (was sehr Lust macht auf mehr…;-) )

In den letzten beiden Wochen haben wir 2 Geburtstage gefeiert und den Zweit- und Herzensjob meines Mannes. Zudem ganzen Stress im Sommer kam nämlich auch sein erster großer Auftrag rein – die fotografische Illustration dieses Buches .
Das klingt alles sehr viel und das war es zeitweise auch. Ich drohte kurz vor den Sommerferien einmal zusammenzubrechen, tat es dann aber nicht, weil wir mit unseren Kindern nicht allein sind und es vor allem auch nicht sein müssen. Weil wir ein Dorf haben, was uns trägt. Feunde, mit denen wir gegenseitig wechselnde Betreuungsdates haben und Freunde, die auch einfach mal so die Kinder nehmen, die studentische Elterngruppe, Familien, die immer (und auch ungefragt) einspringen.

Und das allerwichtigste: Ich habe ihn. Er hat mich. Wir zusammen sind stark, gegen alles was kommt. Und gerade wenn es richtig hart ist, macht es uns zusammen stärker, weil wir „ja“ ZUEINANDER gesagt haben und immer wieder sagen. Seit 4 Jahren schon.

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D R E I

Mein lieber großer Boy,

Morgen ist der Tag, dem du nun schon seit Wochen entgegen fieberst. Du möchtest, dass all deine Liebsten mit dir feiern, dein Freund, den du fast täglich siehst und auch deine anderen 3 Jungs, die du seit deiner Geburt kennst. Dein Opafreund natürlich, die Omas, die Tanten-alle sollen dabei sein. Und die Uroma und der Uropa, denn die haben dich noch „niss besucht“ und die hast du „liep“. Dass dein Onkel nicht kommen kann, weißt du, weil der in „Merika“ ist, aber du isst ja immer so viel, dass du groß und stark wirst wie er!
Es soll Erdbeertorte von Kitscha-Oma geben und Gummibärsen. Du hoffst, dass ein „Abslepp“ (Abschleppwagen) auf dem Geschenketisch steht. Den bewunderst du seit Monaten im Schaufenster, aber plötzlich war der dann letzte Woche weggekauft! Trotzdem, eine Hoffnung, dass du ihn vielleicht doch kriegst, ist noch da.

Das letzte Jahr war nicht weniger turbulent als deine ersten beiden. Immer noch gab es einige erste Male:
-mit Messer und Gabel essen (2 Jahre)
-alleine beim Kindergottesdienst mitgehen (2 Jahre, 4 Monate)
-alleine bei Oma Kitscha & zwei Wochen später bei Oma und Opa schlafen (2,5)
-der erste Flug (2 Jahre, 8 Monate
– Ostereier anmalen (2, 9 Monate)
-Blumenkind bei einer Hochzeit sein (2 Jahre, 12 Monate)

Autonomie – das prägte dein Verhalten im letzten Jahr. Klar, der obligatorische „I will ein EIIIIIIS!“ Wutanfall blieb auch uns nicht erspart (inklusive deiner Spezialität vor lauter Ärger ohnmächtig zu werden) aber vor allem machtest du Entwicklungsschritte einfach wenn du sie wolltest.
So hieß es eines Morgens, als wir im Sommer 2 Wochen auf dem Land haussitteten: „Große Junge bin, brauch keine Winnel mehr!“
Gesagt getan. Einige Unfälle und eine Woche später warst du mit 2 Jahren und 6 Wochen tagsüber trocken. Um Weihnachten herum wolltest du dann auch keine Nachtwindel mehr.
Mit dem Schnuller klappte das genauso. „I brauch keine Nunni mehr, möcht Bagger ham!“ sprachst du, als wir gerade ein paar Tage bei meiner Cousine weilten, heultest eine Nacht und tauschtest dann, wieder zu Hause, deinen „Nunni“ gegen einen lang bestaunten Bagger im Spielzeugladen.
Und deine neueste Errungenschaft, die mit großer Unabhängigkeit verbunden ist, ist das Radfahren. Im April bekamen wir von Freunden ein zu klein gewordenes Fahrrad vermacht, einen Vormittag dauerte es, das Treten zu verstehen, drei Wochen später konntest du losfahren und bremsen. Jetzt fahren wir kleine Touren.
Mit dem Radfahren kam ein kleiner Stich in mein Muttiherz – ich musste einsehen, dass aus meinem kleinen abhängigen Baby ein selbstständiges Kind geworden war!

Bei einer Sache bist du allerdings noch klein – deinen „Boobies“. Um den ersten Geburtstag deiner Schwester herum starteten wir ein großes Abstillen und reduzierten drastisch. Tagelang hast du nach deinen „Boobies“ gefragt (und geheult), ich gab immer mal nach, stillte zum Beispiel nur noch „wir zählen bis 10“ worauf von dir Sätze wie: „Mama, warte, muss noch austrinken!“ kamen.
Um Weihnachten herum reduzierten wir nochmals, auf nicht mehr täglich. Trotzdem, ganz abgestillt bist du immer noch nicht. Du wünschst dir zum Geburtstag auch „Is möcht zu meim Geburtstag eine große Boobies mit Streusel trinken!“ (Ähm ja, da hast du wohl was mit dem Geburtstagskuchen durcheinander gebracht! 😉 ) Aktuell stillen wir ganz selten mal, wenn du krank bist, völlig aufgelöst und untröstlich oder selten mal nachts, wenn du dann doch mal in unser Bett kommst und ich im Halbschlaf denke, deine Schwester würde sich an der Milchbar bedienen…Trotzdem fragst du nach den Boobies  mehrmals täglich…
Du bist ein lustiges Kind, bringst uns mit deinen Sprüchen ständig zum Lachen. Ich freue mich jedes Mal, wenn du „Kapüze“ „Fliegnschweng“ „untertaufen“ oder „aufgetauert“ (statt Kaputze, Fliegenklatsche, untertauchen, aufgetaut) sagst. Mit deinem steigenden Sprechvermögen verschwinden solche süßen Worte nämlich leider immer mehr. Du bist voller Energie und voller dummer Einfälle.

Dein allergrößter Fan ist deine kleine Schwester, die auch schon mal als Entschuldigung herhalten muss. „Is hab das nur gemacht, weil die Babymaus das lustis findet!“ Ähm ja. Ihr macht fast jeden Morgen eine kleine Tanzsession, wenn ich Glück habe zu Musik die mir gefällt, meist wird aber vehement „Kinnernmusik“ gefordert. Wenn ich mal psychisch behandelt werden muss, dann war garantiert das Fliegerlied schuld! Außerdem liebt ihr beide es zu Malen, Kneten, Schneiden und zu Basteln und seid gern meine Helferlinge in der Küche beim Essen zubereiten. Am allerliebsten seid ihr aber nicht in der Wohnung, sondern draußen. Wenn es nach dir ginge, wärt ihr nur im Wald unterwegs mit dem Papa deines Milchbruders, der neben deinem eigenen Papaheld dein großes Vorbild ist.
Neben Wald magst du auch Wasser, im Schwimmbad, in der Wanne, in einer Pfütze, im Planschbecken oder auf dem Balkon – ganz egal, hauptsache nass von oben bis unten.

Daher haben wir den Winter über einen Kleinkindschwimmkurs als Familie gemacht, das war sehr schön.

Unsere Termine gerade sind die englische Krabbelgruppe, welche wir seit der Geburt besuchen. Die Lieder kannst du nun größtenteils und manchmal mit lustigem Denglisch mit Bewegungen mitsingen. Englische Anweisungen oder Fragen scheinst du zu verstehen, antwortest aber immer Deutsch.
Außerdem verbringen wir gerade viel Zeit bei den Studentischen Eltern. Ich betreue da einmal die Woche und mindestens einmal in der Woche geht ihr spielen, damit ich studieren kann. Auch dort hast du die meisten anderen Kinder ganz schnell ins Herz geschlossen und freust dich sehr, wenn wir sie sehen. Ginge es nach dir, würden wir mit all deinen friends in einer großen Kommune im Wald leben, ihr wärt immer nackt und es gäbe jeden Tag Eis, Nudeln, Oliven und pinke Donuts. 😉

Mein süßer Sohn, ich wünsche dir einen tollen dritten Geburtstag. Vor uns steht ein spannendes neues Jahr! Es beginnt mit einem lang ersehnten Familienurlaub. Ab August bereichert ein Tageskind 10-16 Stunden die Woche unsere Familie. Dann wirst du mit deinem Geburtstagszwilling und Milchbruder zusammen im Oktober in den Kindergarten kommen. Es folgt die heisse Phase des Referendariats für deinen Papa, die sicherlich eine harte Zeit wird, aber mit dem Jahresende ist das auch geschafft.Wir suchen außerdem eine neue Wohnung und werden vielleicht schon bald umziehen. Schließlich findest du: „Mama, wir brauchen noch ein Baby, das kann auch in meinem Bett slafen!.“
Ich freue mich, dich weiter beim Wachsen begleiten zu dürfen.
Ich liebe dich sehr,
deine Mami

 

Einfach mal Raus.

Vor 7,5 Jahren setzte ich mich in einen Flieger, stieg in England aus und war plötzlich Co-Aupair von 6 Jungs zwischen ein paar Wochen (twins) und 6 Jahren alt. Ich blieb elf Monate, sah danach die Familie mehrmals pro Jahr. Dann kamen die Hochzeit, eine Australienreise und schließlich Kind 1 und Kind 2. Die Sehnsucht nach England war immer da, wuchs und wuchs bis vorgestern. Denn da buchte ich 3 Flüge, 1 für mich und je einen für jedes Kind.  Kurz bevor ich zahlen wollte, dann doch 4. Denn der Mann, im Referendariatsstress und unter Planungsdruck, wollte dann doch mit.

Also Flüge noch einmal gebucht, gefreut das es nochmal billiger (!!) wurde, Kreditkartendaten eingegeben, bezahlt – Karte nicht akzeptiert. Kurzes verzweifeln, aber die Freundin, die grad zu Besuch ist, hilft aus. Dann wieder Panik beim liebsten – sein Pass ist unauffindbar. stress  pur, der Flug ist nämlich für den nächsten Tag.

abends beim packen frage ich mich kurz,ob wir nicht ganz alle beisammen haben,mit 2 Kleinkindern innerhalb von 24 Stunden einen Urlaub zu planen, zu buchen und anzutreten.dieses Gefühl verstärkt sich, als es auch nicht  funktioniert einen Mietwagen zu buchen und das kreditkartenproblem erst am montag behoben werden kann, wo wir bereits sonntag abend das Auto brauchen.

Zum weiteren Kopfzerbrechen bleibt keine zeit, schon sind wir auf dem Weg nach Schönefeld, mit 2 Koffern, 3 Rucksäcken, 2 kindersitzen und natürlich 2 Kleinkindern. Die easy check crew ist super hilfsbereit, wir können Handgepäckkoffer kostenlos aufgeben, dürfen als erste durch die security und auch ins Flugzeug, aber der Flughafen Schönefeld ist schrecklich – keine Aufzüge, kein Wickelraum, keine Sitzgelegenheiten und dazu ist es megaheiß.

Kurz vor 20 Uhr heben wir aber ab. Und das recht entspannt. Die Kinder haben bis jetzt super  mitgemacht. Nach dem Flug sind zwar beide high on Gummibärchen, können aber noch in der Grenzkontrolle mit den Polizisten shakern. 21:30 verlassen wir Manchester Airport. Noch haben wir keinen Mietwagen. Auch am deutschen Flughafen konnten wir keinen leihen, wegen Kreditkarteproblemen. Der Liebste will gleich den Zug nehmen,hier sei kurz gesagt, dass wir oben genanntes Gepäck wegen trolleymangel schon kaum aus dem Flughafen bekommen haben, zum Bahnhof kann ich mir das grad nicht vorstellen.

Wir nehmen den Bus zur „car rental village“. Die kleine schläft bereits, der große jammert nach einem Essenhaus .(=restaurant) Wie durch ein Wunder bekommen wir ohne Probleme und mit nicht funktionierender Kreditkarte ein mietauto. Es ist jetzt 22 Uhr und theoretisch sind wir nur 1 Stunde von einem warmen queensize bed und einem vollen Kühlschrank entfernt. Praktisch hat unsere Navi England nicht gespeichert, obwohl der liebste Europa runtergeladen hat.

Aber sein 2. Zuhause findet man. Auch nach 4 Jahren Abstinenz.

Wir wissen die ungefähre Richtung. Die Kinder schlafen. Abenteureradrenalin pusht uns. Und auch wenn keiner der Gefragten „mein“ 10 Häuser minidorf kennt und es stockdunkel ist und wir links fahren müssen, taucht thurstonland dann doch vor uns auf!

Genau 0:00 ist die Reise geschafft –  und wir treffen am cottage meiner gastfamilie ein.

Jetzt schlafen alle 8 Kinder. Ich sitze hier, wie früher. Ein tiefes Glücksgefühl in mir. Die alte Vertrautheit zu „meinen“  gastkindern war nach den üblichen schüchternheitsminuten sofort wieder da. Unsere Kids müssen das gespürt haben, denn auch sie gehörten sofort zur Familie.

Der liebste hat ein Büro bekommen, der Sohn bergeweise traktoren und Spielkameraden, die Tochter schleppende Hände. Für mich gibts comfort food von der gastmama und dieses tiefe Glücksgefühl, dass sich einstellt wenn man nach langer Zeit nach hause kommt und nach langer Zeit mal Wieder Urlaub macht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was machst du den ganzen Tag 2/16

Frau Brüllen fragt wie jeden fünften des Monats:

„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

 

6:15 Der Kronsohn springt auf mir herum, versuche ihn zu überzeugen lieber zum Papa zu gehen, der heute Nacht wegen 5 minütlich aufwachender babylady ausgezogen ist – klappt nicht, also aufstehen.

6:23 beschließe, die Klausur die heute ansteht doch mitzuschreiben, obwohl ich wegen kranker Kinder diese Woche einen Krankenschein und noch nix gelernt hab. Aber ich will es einfach weg haben. Wer weiß, vielleicht geschieht ja ein Wunder.

7:28 Ankunft in der Uni, ich setze mich vor den Klausurraum und versuche mich in Bulimielernen – erfolglos

8:23 die ersten Kommilitonen trudeln ein und machen sich gegenseitig verrückt a la: „Oh nein, ich habe vergessen, wann Paul Tillich sein Werk zum vierten Mal überarbeitet hat!“ Ich amüsiere mich blendend. Auch weil ich den Namen Paul Tillich noch nie gehört hab.

8:40 der liebste bringt mir die Babylady noch mal schnell zum Stillen

9;03 „Fühlen sie sich gesundheitlich in der Lage, die Klausur anzutreten?“
öhm ja…
„Dann jetzt bitte alle smartphones, iwatches und googleglasses abgeben.“ Es sammelt sich ein halber elektronikladen am Rednerpult, cool, such ich mir gleich ein schönes aus, wenn ich als erster fertig bin.

9:06 Allgemeines Stöhnen. Fragen sind fies. Auswahl wie sonst üblich gibt es diesmal nicht. Der erste gibt ab. Ich pimpe mein hier und da minimalwissen mit maximaler laberei.

10:22 kein bock mehr, 7 Seiten gefüllt, ich gehe

10:38 Ankunft beim Krabbelgruppenfasching. Mitleid für unsere Woche (kranke Kids, Referendariatsbeginn des Mannes mit je fast 2 Stunden Fahrt pro Tag, die Klausur) von der Mutti Gang – gut, um den Rückhalt zu wissen und Balsam für die Seele. Kuchen schnabulei und fast-noch-Neugeborene kuscheln sind das auch.

12:36 heimfahren. Babymaus schläft im Bus ein.

12:51 Kinder schlafen, wir bestellen indisch. Ich rede das erste mal diese Woche „richtig“  mit meinem Mann.

13:24 das essen kommt. Es ist superlecker. Dabei elementary gucken und kuscheln. Schön.

14:11 babylady erwacht
In der nächsten Stunde klingelt es  3mal, eine Freundin kommt was scannen, die Oma bringt vergessene Sachen, eine andere Freundin kommt mit ihrer Tochter und Kronsohns liebstem Freund. Leider erwacht Kronsohn mit einem halbstündigen Wutanfall. Sein Freund schafft es dann aber ihn zu beruhigen – indem er das Bücherregal auskippt.egal. Sieht sowieso aus wie sau. Der Mann geht einkaufen und unser verliehenes Reisebett abholen. Wir fahren morgen zum Uropa, der 84 wird.

16:17 weil wir noch nicht genug stress hatten, packe ich in einem moment von Insane-ness die Fingerfarben aus. Kinder sind lange beschäftigt.

ne knappe halbe Stunde und einem kaputtem Teller: jetzt total Chaos, Kinder mit kriegsbemalung aber glücklich, wir packen sie alle 4 in die Wanne. Herzmoment.
Kurze Scham vor meiner Freundin, als ich die Staubschicht auf der Wanne entdecke. Wäsche sie unauffällig weg, als sie ihre Tochter aus der Wanne  holt. Das Bad schwimmt, ich nutze das gleich zum wischen –  war eh nötig. Schmeiße schnell noch eine Wäsche an. Fühle mich kurz wie die Superhausfrau.

17:16 der Freundinsohn wirft sich einen Backblech auf den Fuß, der Kronsohn schüttet ne viertel Tüte Zucker aus – ich schimpfe zu laut, alle Kinder heulen, die Friends gehen. Das Superhausfrauenfeeling ist auch weg.

17:22 der liebste kommt wieder. Ich lese vor, er macht Abendbrot.

17:49 der liebste räumt das Kinderzimmer auf, ich packe für den overnightstay morgen

18:15 raubtierfütterung

19 Uhr mache ich die Kleine bettfertig und tippe nun beim Stillen diese Zeilen, gleichzeitig räumt der liebste das Abendbrot weg und die Küche auf.

20:13 Der liebste und ich klatschen ab: beide pennen.