Life lately

Ich puste mal eben schnell die Staubflocken weg, es sind so viele, dass ich einen Hustenanfall bekomme. Seit gefühlten Jahren fuhr ich eben meinen ebenfalls bestaubten Laptop hoch – der Grund: Besuch bei der Lieblingscousine, die mir Arbeitszeit für eine bereits eine Jahr nicht geschriebene Hausarbeit verschafft, aber ich wälze mich lieber eine Runde in Prokrastination. Darin habe ich meinen Master schließlich schon längst, der vom Lehramt muss warten.
Allerdings auch hier langsam Druck im Nacken, akreditiert ist dieser nur noch bis September 2018 – mit dem Wissen im letzten Semester einen popeligen Praktikumsbericht geschafft zu haben brechen auf der Stirn die Schweißperlen aus – ein Praktikum samt Bericht, drei Hausarbeiten und dieses böse Omen MASTERARBEIT hängen in zu naher Ferne wie ein Damoklesschwert über mir.
Eigentlich sollte ich jetzt Druck haben, aber dann taf ich diese Woche doch auf einen dieser seltenen Fälle von Familienfreundlichkeit an der Universität Leipzig, in Form eines Dozenten, der von sich aus vorschlug, die Sprechstunde neben mir laufend im Park zu verbringen, damit meine Kinder ihren Mittagsschlaf im Fahrradanhänger machen könnten. Plan ging zwar nicht auf, aber er hatte sowieso Plan B in Form von Kakao und Keksen in petto. Der Gute verlängerte mir meine noch nicht angefangene Arbeit sofort bis Ende Januar. Leider kommt soviel Familienfreundlichkeit dann doch nicht von ungefähr, denn dieser wirlklich herzensgute Mensch, bei dem ich sogar mal was gelernt habe, ist jüngst selbst zum dritten Mal Papa geworden.
Ich sitze nun also hier und rechne, 4 Semester für 5 Arbeiten – geht irgendwie nicht auf, merkt sogar ein Nicht-Mathegenie wie ich.
Schaffe ich das trotzdem? In schlechten Momenten denke ich, auch gleich hinschmeißen zu können, weil sowieso nicht, is klar.
Andererseits: Mein Mann ist gerade im Ref. Wem das nix sagt, weil im Freundes- und Bekanntenkreis noch nicht erlebt:
Er wird zum Lehrer ausgebildet, heißt, ständig unter Beobachtung, ständig sinnlos lange Unterrichtsentwürfe und Reflexionen dazu der normale Schulalttag plus 8 Stunden (=ein Arbeitstag) Autofahrt pro Woche plus Seminar. Ich finde trotzdem, er macht das ganz gut, zumindest saß er noch nicht die ganze Nacht, wie wir es von Leidensgenossen kennen. Dennoch war der Umschwung von zwei sich immer kümmernden Eltern auf mehr oder weniger Single Mom hart.
Weil uns das dann irgendwie nicht so gereicht hat, sind wir mal eben im größten Stress (und nach anderhalbjähriger Suche…) von knapp 70 auf knapp 100 m² umgezogen. Es versteht sich, dass wir das IN DER SCHULZEIT und mit Kindern, die noch nicht in die Kita gehen, gemacht haben. Ach ja, den in der Umzugswoche grassierenden Magen-Darm-Virus haben wir natürlich auch noch mitgenommen. War ja gratis.
Mitten in diesem Durcheinander heirateten einmal meine beste Freundin und  dann sein bester Freund – zwei tolle Hochzeiten, bei denen wir leider nicht in dem Umfang helfen konnten, wie wir wollten, gefeiert und genossen haben wir trotzdem ordentlich.
Und nun?
Haben wir auf einmal eine riesige Wohnung, was das Leben ungemein erleichtert. Der ganze Pack- & Vorsommerferienstress scheint irgendwie vergessen. Dazu trage ich nun auch etwas zur Haushaltskasse bei, indem ich für 10 Stunden die Woche ein süßes 7-Monatsmädchen betreue. (was sehr Lust macht auf mehr…;-) )

In den letzten beiden Wochen haben wir 2 Geburtstage gefeiert und den Zweit- und Herzensjob meines Mannes. Zudem ganzen Stress im Sommer kam nämlich auch sein erster großer Auftrag rein – die fotografische Illustration dieses Buches .
Das klingt alles sehr viel und das war es zeitweise auch. Ich drohte kurz vor den Sommerferien einmal zusammenzubrechen, tat es dann aber nicht, weil wir mit unseren Kindern nicht allein sind und es vor allem auch nicht sein müssen. Weil wir ein Dorf haben, was uns trägt. Feunde, mit denen wir gegenseitig wechselnde Betreuungsdates haben und Freunde, die auch einfach mal so die Kinder nehmen, die studentische Elterngruppe, Familien, die immer (und auch ungefragt) einspringen.

Und das allerwichtigste: Ich habe ihn. Er hat mich. Wir zusammen sind stark, gegen alles was kommt. Und gerade wenn es richtig hart ist, macht es uns zusammen stärker, weil wir „ja“ ZUEINANDER gesagt haben und immer wieder sagen. Seit 4 Jahren schon.

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