D R E I

Mein lieber großer Boy,

Morgen ist der Tag, dem du nun schon seit Wochen entgegen fieberst. Du möchtest, dass all deine Liebsten mit dir feiern, dein Freund, den du fast täglich siehst und auch deine anderen 3 Jungs, die du seit deiner Geburt kennst. Dein Opafreund natürlich, die Omas, die Tanten-alle sollen dabei sein. Und die Uroma und der Uropa, denn die haben dich noch „niss besucht“ und die hast du „liep“. Dass dein Onkel nicht kommen kann, weißt du, weil der in „Merika“ ist, aber du isst ja immer so viel, dass du groß und stark wirst wie er!
Es soll Erdbeertorte von Kitscha-Oma geben und Gummibärsen. Du hoffst, dass ein „Abslepp“ (Abschleppwagen) auf dem Geschenketisch steht. Den bewunderst du seit Monaten im Schaufenster, aber plötzlich war der dann letzte Woche weggekauft! Trotzdem, eine Hoffnung, dass du ihn vielleicht doch kriegst, ist noch da.

Das letzte Jahr war nicht weniger turbulent als deine ersten beiden. Immer noch gab es einige erste Male:
-mit Messer und Gabel essen (2 Jahre)
-alleine beim Kindergottesdienst mitgehen (2 Jahre, 4 Monate)
-alleine bei Oma Kitscha & zwei Wochen später bei Oma und Opa schlafen (2,5)
-der erste Flug (2 Jahre, 8 Monate
– Ostereier anmalen (2, 9 Monate)
-Blumenkind bei einer Hochzeit sein (2 Jahre, 12 Monate)

Autonomie – das prägte dein Verhalten im letzten Jahr. Klar, der obligatorische „I will ein EIIIIIIS!“ Wutanfall blieb auch uns nicht erspart (inklusive deiner Spezialität vor lauter Ärger ohnmächtig zu werden) aber vor allem machtest du Entwicklungsschritte einfach wenn du sie wolltest.
So hieß es eines Morgens, als wir im Sommer 2 Wochen auf dem Land haussitteten: „Große Junge bin, brauch keine Winnel mehr!“
Gesagt getan. Einige Unfälle und eine Woche später warst du mit 2 Jahren und 6 Wochen tagsüber trocken. Um Weihnachten herum wolltest du dann auch keine Nachtwindel mehr.
Mit dem Schnuller klappte das genauso. „I brauch keine Nunni mehr, möcht Bagger ham!“ sprachst du, als wir gerade ein paar Tage bei meiner Cousine weilten, heultest eine Nacht und tauschtest dann, wieder zu Hause, deinen „Nunni“ gegen einen lang bestaunten Bagger im Spielzeugladen.
Und deine neueste Errungenschaft, die mit großer Unabhängigkeit verbunden ist, ist das Radfahren. Im April bekamen wir von Freunden ein zu klein gewordenes Fahrrad vermacht, einen Vormittag dauerte es, das Treten zu verstehen, drei Wochen später konntest du losfahren und bremsen. Jetzt fahren wir kleine Touren.
Mit dem Radfahren kam ein kleiner Stich in mein Muttiherz – ich musste einsehen, dass aus meinem kleinen abhängigen Baby ein selbstständiges Kind geworden war!

Bei einer Sache bist du allerdings noch klein – deinen „Boobies“. Um den ersten Geburtstag deiner Schwester herum starteten wir ein großes Abstillen und reduzierten drastisch. Tagelang hast du nach deinen „Boobies“ gefragt (und geheult), ich gab immer mal nach, stillte zum Beispiel nur noch „wir zählen bis 10“ worauf von dir Sätze wie: „Mama, warte, muss noch austrinken!“ kamen.
Um Weihnachten herum reduzierten wir nochmals, auf nicht mehr täglich. Trotzdem, ganz abgestillt bist du immer noch nicht. Du wünschst dir zum Geburtstag auch „Is möcht zu meim Geburtstag eine große Boobies mit Streusel trinken!“ (Ähm ja, da hast du wohl was mit dem Geburtstagskuchen durcheinander gebracht! 😉 ) Aktuell stillen wir ganz selten mal, wenn du krank bist, völlig aufgelöst und untröstlich oder selten mal nachts, wenn du dann doch mal in unser Bett kommst und ich im Halbschlaf denke, deine Schwester würde sich an der Milchbar bedienen…Trotzdem fragst du nach den Boobies  mehrmals täglich…
Du bist ein lustiges Kind, bringst uns mit deinen Sprüchen ständig zum Lachen. Ich freue mich jedes Mal, wenn du „Kapüze“ „Fliegnschweng“ „untertaufen“ oder „aufgetauert“ (statt Kaputze, Fliegenklatsche, untertauchen, aufgetaut) sagst. Mit deinem steigenden Sprechvermögen verschwinden solche süßen Worte nämlich leider immer mehr. Du bist voller Energie und voller dummer Einfälle.

Dein allergrößter Fan ist deine kleine Schwester, die auch schon mal als Entschuldigung herhalten muss. „Is hab das nur gemacht, weil die Babymaus das lustis findet!“ Ähm ja. Ihr macht fast jeden Morgen eine kleine Tanzsession, wenn ich Glück habe zu Musik die mir gefällt, meist wird aber vehement „Kinnernmusik“ gefordert. Wenn ich mal psychisch behandelt werden muss, dann war garantiert das Fliegerlied schuld! Außerdem liebt ihr beide es zu Malen, Kneten, Schneiden und zu Basteln und seid gern meine Helferlinge in der Küche beim Essen zubereiten. Am allerliebsten seid ihr aber nicht in der Wohnung, sondern draußen. Wenn es nach dir ginge, wärt ihr nur im Wald unterwegs mit dem Papa deines Milchbruders, der neben deinem eigenen Papaheld dein großes Vorbild ist.
Neben Wald magst du auch Wasser, im Schwimmbad, in der Wanne, in einer Pfütze, im Planschbecken oder auf dem Balkon – ganz egal, hauptsache nass von oben bis unten.

Daher haben wir den Winter über einen Kleinkindschwimmkurs als Familie gemacht, das war sehr schön.

Unsere Termine gerade sind die englische Krabbelgruppe, welche wir seit der Geburt besuchen. Die Lieder kannst du nun größtenteils und manchmal mit lustigem Denglisch mit Bewegungen mitsingen. Englische Anweisungen oder Fragen scheinst du zu verstehen, antwortest aber immer Deutsch.
Außerdem verbringen wir gerade viel Zeit bei den Studentischen Eltern. Ich betreue da einmal die Woche und mindestens einmal in der Woche geht ihr spielen, damit ich studieren kann. Auch dort hast du die meisten anderen Kinder ganz schnell ins Herz geschlossen und freust dich sehr, wenn wir sie sehen. Ginge es nach dir, würden wir mit all deinen friends in einer großen Kommune im Wald leben, ihr wärt immer nackt und es gäbe jeden Tag Eis, Nudeln, Oliven und pinke Donuts. 😉

Mein süßer Sohn, ich wünsche dir einen tollen dritten Geburtstag. Vor uns steht ein spannendes neues Jahr! Es beginnt mit einem lang ersehnten Familienurlaub. Ab August bereichert ein Tageskind 10-16 Stunden die Woche unsere Familie. Dann wirst du mit deinem Geburtstagszwilling und Milchbruder zusammen im Oktober in den Kindergarten kommen. Es folgt die heisse Phase des Referendariats für deinen Papa, die sicherlich eine harte Zeit wird, aber mit dem Jahresende ist das auch geschafft.Wir suchen außerdem eine neue Wohnung und werden vielleicht schon bald umziehen. Schließlich findest du: „Mama, wir brauchen noch ein Baby, das kann auch in meinem Bett slafen!.“
Ich freue mich, dich weiter beim Wachsen begleiten zu dürfen.
Ich liebe dich sehr,
deine Mami