Einfach mal Raus.

Vor 7,5 Jahren setzte ich mich in einen Flieger, stieg in England aus und war plötzlich Co-Aupair von 6 Jungs zwischen ein paar Wochen (twins) und 6 Jahren alt. Ich blieb elf Monate, sah danach die Familie mehrmals pro Jahr. Dann kamen die Hochzeit, eine Australienreise und schließlich Kind 1 und Kind 2. Die Sehnsucht nach England war immer da, wuchs und wuchs bis vorgestern. Denn da buchte ich 3 Flüge, 1 für mich und je einen für jedes Kind.  Kurz bevor ich zahlen wollte, dann doch 4. Denn der Mann, im Referendariatsstress und unter Planungsdruck, wollte dann doch mit.

Also Flüge noch einmal gebucht, gefreut das es nochmal billiger (!!) wurde, Kreditkartendaten eingegeben, bezahlt – Karte nicht akzeptiert. Kurzes verzweifeln, aber die Freundin, die grad zu Besuch ist, hilft aus. Dann wieder Panik beim liebsten – sein Pass ist unauffindbar. stress  pur, der Flug ist nämlich für den nächsten Tag.

abends beim packen frage ich mich kurz,ob wir nicht ganz alle beisammen haben,mit 2 Kleinkindern innerhalb von 24 Stunden einen Urlaub zu planen, zu buchen und anzutreten.dieses Gefühl verstärkt sich, als es auch nicht  funktioniert einen Mietwagen zu buchen und das kreditkartenproblem erst am montag behoben werden kann, wo wir bereits sonntag abend das Auto brauchen.

Zum weiteren Kopfzerbrechen bleibt keine zeit, schon sind wir auf dem Weg nach Schönefeld, mit 2 Koffern, 3 Rucksäcken, 2 kindersitzen und natürlich 2 Kleinkindern. Die easy check crew ist super hilfsbereit, wir können Handgepäckkoffer kostenlos aufgeben, dürfen als erste durch die security und auch ins Flugzeug, aber der Flughafen Schönefeld ist schrecklich – keine Aufzüge, kein Wickelraum, keine Sitzgelegenheiten und dazu ist es megaheiß.

Kurz vor 20 Uhr heben wir aber ab. Und das recht entspannt. Die Kinder haben bis jetzt super  mitgemacht. Nach dem Flug sind zwar beide high on Gummibärchen, können aber noch in der Grenzkontrolle mit den Polizisten shakern. 21:30 verlassen wir Manchester Airport. Noch haben wir keinen Mietwagen. Auch am deutschen Flughafen konnten wir keinen leihen, wegen Kreditkarteproblemen. Der Liebste will gleich den Zug nehmen,hier sei kurz gesagt, dass wir oben genanntes Gepäck wegen trolleymangel schon kaum aus dem Flughafen bekommen haben, zum Bahnhof kann ich mir das grad nicht vorstellen.

Wir nehmen den Bus zur „car rental village“. Die kleine schläft bereits, der große jammert nach einem Essenhaus .(=restaurant) Wie durch ein Wunder bekommen wir ohne Probleme und mit nicht funktionierender Kreditkarte ein mietauto. Es ist jetzt 22 Uhr und theoretisch sind wir nur 1 Stunde von einem warmen queensize bed und einem vollen Kühlschrank entfernt. Praktisch hat unsere Navi England nicht gespeichert, obwohl der liebste Europa runtergeladen hat.

Aber sein 2. Zuhause findet man. Auch nach 4 Jahren Abstinenz.

Wir wissen die ungefähre Richtung. Die Kinder schlafen. Abenteureradrenalin pusht uns. Und auch wenn keiner der Gefragten „mein“ 10 Häuser minidorf kennt und es stockdunkel ist und wir links fahren müssen, taucht thurstonland dann doch vor uns auf!

Genau 0:00 ist die Reise geschafft –  und wir treffen am cottage meiner gastfamilie ein.

Jetzt schlafen alle 8 Kinder. Ich sitze hier, wie früher. Ein tiefes Glücksgefühl in mir. Die alte Vertrautheit zu „meinen“  gastkindern war nach den üblichen schüchternheitsminuten sofort wieder da. Unsere Kids müssen das gespürt haben, denn auch sie gehörten sofort zur Familie.

Der liebste hat ein Büro bekommen, der Sohn bergeweise traktoren und Spielkameraden, die Tochter schleppende Hände. Für mich gibts comfort food von der gastmama und dieses tiefe Glücksgefühl, dass sich einstellt wenn man nach langer Zeit nach hause kommt und nach langer Zeit mal Wieder Urlaub macht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements

Was machst du den ganzen Tag 2/16

Frau Brüllen fragt wie jeden fünften des Monats:

„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

 

6:15 Der Kronsohn springt auf mir herum, versuche ihn zu überzeugen lieber zum Papa zu gehen, der heute Nacht wegen 5 minütlich aufwachender babylady ausgezogen ist – klappt nicht, also aufstehen.

6:23 beschließe, die Klausur die heute ansteht doch mitzuschreiben, obwohl ich wegen kranker Kinder diese Woche einen Krankenschein und noch nix gelernt hab. Aber ich will es einfach weg haben. Wer weiß, vielleicht geschieht ja ein Wunder.

7:28 Ankunft in der Uni, ich setze mich vor den Klausurraum und versuche mich in Bulimielernen – erfolglos

8:23 die ersten Kommilitonen trudeln ein und machen sich gegenseitig verrückt a la: „Oh nein, ich habe vergessen, wann Paul Tillich sein Werk zum vierten Mal überarbeitet hat!“ Ich amüsiere mich blendend. Auch weil ich den Namen Paul Tillich noch nie gehört hab.

8:40 der liebste bringt mir die Babylady noch mal schnell zum Stillen

9;03 „Fühlen sie sich gesundheitlich in der Lage, die Klausur anzutreten?“
öhm ja…
„Dann jetzt bitte alle smartphones, iwatches und googleglasses abgeben.“ Es sammelt sich ein halber elektronikladen am Rednerpult, cool, such ich mir gleich ein schönes aus, wenn ich als erster fertig bin.

9:06 Allgemeines Stöhnen. Fragen sind fies. Auswahl wie sonst üblich gibt es diesmal nicht. Der erste gibt ab. Ich pimpe mein hier und da minimalwissen mit maximaler laberei.

10:22 kein bock mehr, 7 Seiten gefüllt, ich gehe

10:38 Ankunft beim Krabbelgruppenfasching. Mitleid für unsere Woche (kranke Kids, Referendariatsbeginn des Mannes mit je fast 2 Stunden Fahrt pro Tag, die Klausur) von der Mutti Gang – gut, um den Rückhalt zu wissen und Balsam für die Seele. Kuchen schnabulei und fast-noch-Neugeborene kuscheln sind das auch.

12:36 heimfahren. Babymaus schläft im Bus ein.

12:51 Kinder schlafen, wir bestellen indisch. Ich rede das erste mal diese Woche „richtig“  mit meinem Mann.

13:24 das essen kommt. Es ist superlecker. Dabei elementary gucken und kuscheln. Schön.

14:11 babylady erwacht
In der nächsten Stunde klingelt es  3mal, eine Freundin kommt was scannen, die Oma bringt vergessene Sachen, eine andere Freundin kommt mit ihrer Tochter und Kronsohns liebstem Freund. Leider erwacht Kronsohn mit einem halbstündigen Wutanfall. Sein Freund schafft es dann aber ihn zu beruhigen – indem er das Bücherregal auskippt.egal. Sieht sowieso aus wie sau. Der Mann geht einkaufen und unser verliehenes Reisebett abholen. Wir fahren morgen zum Uropa, der 84 wird.

16:17 weil wir noch nicht genug stress hatten, packe ich in einem moment von Insane-ness die Fingerfarben aus. Kinder sind lange beschäftigt.

ne knappe halbe Stunde und einem kaputtem Teller: jetzt total Chaos, Kinder mit kriegsbemalung aber glücklich, wir packen sie alle 4 in die Wanne. Herzmoment.
Kurze Scham vor meiner Freundin, als ich die Staubschicht auf der Wanne entdecke. Wäsche sie unauffällig weg, als sie ihre Tochter aus der Wanne  holt. Das Bad schwimmt, ich nutze das gleich zum wischen –  war eh nötig. Schmeiße schnell noch eine Wäsche an. Fühle mich kurz wie die Superhausfrau.

17:16 der Freundinsohn wirft sich einen Backblech auf den Fuß, der Kronsohn schüttet ne viertel Tüte Zucker aus – ich schimpfe zu laut, alle Kinder heulen, die Friends gehen. Das Superhausfrauenfeeling ist auch weg.

17:22 der liebste kommt wieder. Ich lese vor, er macht Abendbrot.

17:49 der liebste räumt das Kinderzimmer auf, ich packe für den overnightstay morgen

18:15 raubtierfütterung

19 Uhr mache ich die Kleine bettfertig und tippe nun beim Stillen diese Zeilen, gleichzeitig räumt der liebste das Abendbrot weg und die Küche auf.

20:13 Der liebste und ich klatschen ab: beide pennen.