Big boy

Mein liebes Schlingelkind,

Morgen wirst du ZWEI Jahre alt! Und deine Mama oder Mami, wie du mich auch gerne nennst, wird beim Dekorieren für den großen Tag ganz sentimental.

Das zweite Lebensjahr war sehr spannend. Aus einem Baby mit Speckiwangen ist ein richtiger kleiner Junge geworden. Und aus einem Einzelkind ein großer Bruder.
Wir haben eine spannende Zeit hinter uns. Kurz nach deinem ersten Geburtstag bekam ich viel zu früh Wehen und musste dann ein paar Wochen liegen.
In dieser Zeit hast du ganz viel mit deinem Papa gemacht. Zum Beispiel seid ihr jeden Morgen zusammen im Park Bobby Car gefahren – und das obwohl du noch nicht mal Laufen konntest – damit Mama ausschlafen konnte. Als die Zeit einer drohendem Frühgeburt deiner Schwester vorbei war, haben wir die letzten Wochen zu dritt sehr genossen und noch einmal viel unternommen. (2 Hochzeiten und Besuch bei deinen Urgroßeltern inklusive).

Am Tag als deine Schwester geboren wurde, warst du das erste Mal einen ganzen Nachmittag und Abend ohne uns, aber kaum waren wir zu Hause, wurdest auch du gebracht und wir begannen das Abenteuer zu viert. Müde hast deine Schwester begrüßt und sofort gestreichelt (und dabei das erste Mal „Eiei“ gesagt) Den nächsten Morgen verbrachten wir kuschelnd, stillend und kennenlernend im Bett und vom ersten Moment an wart ihr ein Herz und eine Seele.

Tja und noch am selben Tag, mit 14 Monaten, konntest du laufen. Zudem explodiert von da an deine Sprache. Es folgen die für dich damals und gerade spannenden Dinge: „Bagga, Ato (=Auto), Ball“ sowie die Namen deiner liebsten Verwandten.
Uns graute letztes Jahr etwas vor dem Winter, weil du dich zu einem absoluten Draußenkind entwickelt hast.
Kaum bist du munter und vollgefrühstückt, bist du zur Tür gekrabbelt und haust dagegen. Mittlerweile bekamst du die Tür auch auf und forderst „RAUS GEHN!“ egal ob es regnet, stürmt oder schneit.
Daher meldeten wir dich ab November zum Kinderturnen an, was dir große Freude und uns zumindest einen Vormittag im Warmen pro Woche brachte.

Dein zweites Weihnachten fandest du wunderbar – du liebst die flackernden Kerzen und Lichter überall. Dein zweites Silvester fandest du hingegen doof – Kriegsgeböller um Mitternacht ist nicht so deins.
Neujahr schreibe ich alle Wörter auf, die du schon kannst. Es sind 63! Unsere Lieblingswortbildungen von dir sind „Beck“ (=weg) „Gagu“ (=alle Fahrzeuge, die Tatütata machen) und „Madi“ dein Wort für deine liebste Kuscheltierkatze. Von „Madi“ über „Maidi“ über „Matze“ gelangst du schließlich zu Katze, nur um aktuell wieder „Mau Mau“ zu sagen – versteh dich mal einer ;-).

Im Februar entdeckst du „Miggen“ für dich. (=Mandarinen) Essen findest du generell großartig und bist da recht unkompliziert, allerdings könntest du auch locker von „MIIIIIIILCH“ leben. Ja, du wirst immer noch gestillt und verlangst auch noch mindestens einmal nachts nach „Boobies“. Das ist auch der Grund, warum du doch wieder jeden Morgen bei uns aufwachst, obwohl du seit März ein wunderschönes Kinderzimmer hast. Immerhin schläfst du dort ein, auch wenn du jeden Abend noch „gro Bett“ verlangst und zielstrebig dorthin marschierst.

Im März unternehmen wir eine kleine Deutschlandtour, es geht über Berlin nach Kiel, von dort zu Großtante und Großonkel an die Nordsee und schließlich nach Holland zu meiner Aupairfreundin mit deren Sohn du dich, trotz Sprachbarriere, sofort anfreundest.

Seit April ist es bei uns relativ stressig, Mama studiert voll, Papa arbeitet an der Uni und schreibt nebenbei Masterarbeit und dazu betreuen wir euch Mäuse daheim, Übergaben von gehetzten Eltern vor der Uni inklusive. Trotzdem nehmen wir uns viel Zeit mit euch, sind auf dem Spielplatz, im Zoo, Park oder unserem Hinterhof am „SPIIIIIIIIELN“.
Du liebst deine Familie, fragst ob du „Oma anrufen“ kannst oder in „Opas Bus faaaahn“ darfst. Genauso sehr liebst du deine Tanten, deren Boyfriends und den Onkel und springst auf und ab, wenn du sie im Flur erblickst oder wir in deren Häusern ankommen.

Genauso reagierst du bei deinen Freunden. Ich finde es so wunderbar, dass ihr, obwohl noch so klein, schon so toll miteinander spielen könnt. Von deinem Freund „Sias“ lernst du ganz viel. Bei ihm hast du deine Autoliebe und das Malen für dich entdeckt, sowie Bob der Baumeister und „Sabann gucken“ (=Sandmann). Wichtig ist für dich auch „Radien“, der in unserem Haus wohnt und von dem du das Laufradfahren abgeguckt hast. Außerdem liebst du deinen „Nonatan“ ,„Jabuff“, und „Sami-ehl“. Du magst es sehr mit anderen „Kinnern“ zusammen zu sein und forderst deshalb auch immer unseren wöchentlichen Gang zu „Dayu Dots“ ein. Damit ist „Tiny Tots“ gemeint, die Krabbelgruppe der englischen Gemeinde, in die wir gehen.
Dort hast du ein wenig Englisch aufgeschnappt und singst schon teilweise die Lieder mit. Deine favs sind „Humpty Dumpty“ und „1,2,3,4,5, once I caught a fish alive“. Ein ganzer großer Hit ist seit dem ersten Geburtstag auch „Backe Backe Kuchen“ wo du das „Backe Backe“ mitsingst, und dann wartest, bis zu der Stelle, wo du „MILCH“ brüllen kannst – es amüsiert uns köstlich.
Musik magst du sowieso, leider hast du meine drolligen Dancemoves geerbt, macht aber nix, wir dancen einfach zusammen körperklausig.

Auch kurz vor deinem 2. Geburtstag sind Fahrzeuge sehr beliebt, nach den „Gagus“ die mittlerweile „Tatütata“ oder ganz boring „Polzei“ heißen stehen noch „Hubrauba“ und Madudu (=mittlerweile Müllaudo) hoch im Kurs sowie der Klassiker „Eisebahn“.
„Tut tut tut, die Eisebahn, …Opa fahn…leine nich…Dedor mit“ tönst du seit Mai fröhlich durch die Gegend, Anlass war die erste (von unzähligen…) Fahrten auf einer Kindereisenbahn.

Mein lieber Puscherling (oh ja, so nenne ich dich 😉 ), du bist ein sehr temperamentvoller Kerl. Du fühlst alles 100 Prozent. So kannst du mit ganzem Herzen glücklich sein, zum Beispiel, wenn du hörst, dass deine Schwester wach ist und dann völlig aus dem Häuschen ins Schlafzimmer rennst, um sie zu streicheln und zu „kussen“. Aber auch wenn du wütend bist, machst du das voll und ganz. Das beinhaltet leider auch Tobsuchtsanfälle, bei denen du schon mal blau anläufst und das Bewusstsein verlierst. Und auch wenn du dir was in den Kopf gesetzt hast und es nicht bekommst, kannst du schon mal exzessiv brüllen. Zum Glück überwiegen die guten Momente, wo du VOLLER Freude bist. Oder VOLLER Liebe. Oder voller Schalk, so wie wenn du deinen Kopf in den Nacken wirfst und „Gujuju“ sagst, und somit „Gurgeln“ nachmachst. Du imitierst sehr gerne, sei es deinen rasierenden Papa oder „wauber machen“ (=sauber machen). Ja, Kinderarbeit gibt es in unserem Haushalt ;-), du machst Wäsche, kehrst, räumst Geschirr aus…Auch „pretend play“ hast du mitlerweile begonne, da wird das Buch zur Kamera oder ein paar Steine zum Lagerfeuer.

Wenn du etwas willst, dann muss es SOFORT geschehen „Mama, komm her!“ erklang es Anfang Mai aus dem Bad. Das war deine erste wörtliche Aufforderng. Many to come schätze ich mal…

Aber, mein liebster Sohn, ich springe gerne für dich, freue mich über dein ständig gefordertes „Soggen aus!“ „Naggisch sein!“ egal wie kalt es ist, um dann mit meinem kleinen Spring-Ins-Feld „Raus [zu] Gehn!“ diese Welt zu bestaunen und dir bei deinen Fortschritten und beim Wachsen zuzusehen. Auch wenn es manchmal stressig ist, dich und deine Schwester und euch beide zusammen zu beobachten, gibt das mir und deinem Papa wieder neue Kraft.
Wir genießen jeden Tag mit euch und freuen uns auf das nächste Jahr mit dir.
Wir lieben dich sehr!

Mama mit Papa

2 jahre