Aupairieren

Unsere Ferien verbringen der Liebste und ich dieses Jahr auf den britischen Inseln, in Irland und England. Kost und Logis sind frei, niemals morgens ausschlafen, immer Krach und action und zudem SECHS KINDER inklusive.
Nein, verrückt geworden sind wir nicht, wir besuchen nur die Familie, in der ich als Aupair gearbeitet habe.

Nachdem ich mit der Schule fertig war wusste ich nicht wirklich was ich als nächstes machen sollte und Stress mit Muddi hatte ich obendrein, was tun?
Ich kann gut mit Kindern und verreise gern – also wurde sich schnell auf einer Aupairseite im Internet angemeldet.
Keine zwölf Stunden nachdem ich mir in mühsamer Kleinstarbeit ein Profil erstellt hatte, klingelte auch schon das Telefon.

„Hi, this is Yvonne from the UK. We live in a small village near Manchester with six kids under six years. Would you like to be our new Aupair?“
„Ähm, (lass mich kurz überlegen), okay.“

Und zwei Tage später begann die Reise auch schon – mit einem Nervenzusammenbruch.
Muddi und ich, immer noch nicht die besten Freunde, stritten im Auto auf dem Weg zum Flughafen und fuhren auf dem Berliner Ring in die falsche Richtung.
Irgendwie schafften wir es aber dann doch 15 Minuten vor Abflug zum check in zu hetzen, mitlerweile heulten alle, die Muddi, die Schwestern und ich, was dem netten Bodenperson genug Mitleid einflößte, um mir den Koffer direkt zum Flugzeug zu tragen und mich nach kurzem Abtasten sofort als letztes einsteigen zu lassen.
Nun hatte ich erst einmal richtig Zeit zu überlegen, auf was genau ich mich da eingelassen hatte. 6 Kinder, alle Jungs, sechs, fünf, drei und zwei Jahre alt und dazu zehn Wochen alte Zwillinge, die in einem riesen Anwesen in der englischen Pampa lebten – wollte ich das wirklich?
Viele Zeit zum Nachdenken gab es allerdings nicht, denn schon war ich wieder gelandet und suchte am Ausgang meinen Gastvater, der mich abholen sollte, nur kam der nicht.
Und ein Handy hatte ich auch nicht. Und keine Telefonnummer, geschweige denn Geld zum Telefonieren. Zu allem Übel  fiel mir auch noch ein, dass ich nicht einmal den Nachnamen der Familie wusste.
Es folgte Nervenzusammenbruch Nummer zwei an diesem Tag.

Nach ungefähr einer Stunde tauchte dann aber doch eine Frau mit einem Schild mit meinem Namen darauf auf. Es handelte sich um ein Taxi, was mein Gatsvater organisiert hatte, weil er in einen Unfall verwickelt wurden war.
Nun ging die Reise also endlich weiter, durch die Felder und Wiesen des wundervollen West Yorkshires, eine traumhafte Gegend, und irgendwann erreichten wir dann auch das Haus meiner Gastfamilie.
Die Eltern empfingen mich herzlich und präsentierten mir sogleich ihre schlafende Kinderschar. Ich glaube die in einem Bett Händchen haltenden Zwillinge Joseph und Max waren der Grund, wieso ich mich sofort in diese Familie verliebt habe, was mich stressige Aupairmomente und Streitigkeiten überdauern ließ und mir heute eine zweite Familie tausende Kilometer weit weg schenkt, bei denen ich nach Monaten zur Tür herein kommen kann und es so scheint, als wäre ich niemals weg gewesen.

Und noch etwas habe ich neben sechs kleinen Brüdern bekommen. Eine dritte Schwester.
Den ganzen Kinderstress habe ich glücklicherweise nicht allein bewältigt, sondern mit einem wunderbaren Mädchen aus Holland, mit der ich trotz 10 Monaten auf engstem Raum und obwohl wir täglich 24 Stunden zusammen verbacht haben nur ein einziges (und nur ganz kurz) Streit hatte.
Diese Martje und ihr Freund Jess besuchen uns im Übrigen nächste Woche.

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