the routine

Als ich mich auf das Abenteuer Aupair eingelassen habe, erwartete ich viel Spielen mit den Kindern, ein bisschen Wäsche, ab und zu mal kochen und den Geschirrspüler ein- und auszuräumen. In meiner Familie ist es aber ganz anders. Spielen nimmt einen kleinen Teil der Zeit ein, Haushaltsaufgaben einen viel größeren. Außerdem ist man in meiner Jungsfamilie eigentlich die ganze Zeit damit beschäfftigt, die Kinder zu irgendetwas zu bewegen, sei es Zähneputzen oder Hände waschen und dann auch den Überblick zu behalten, ob immer alle sechs dem Hauptfeldwebel Aupair Folge leisten. Ein  ganz normaler Tag, wenn die Mama nicht da oder mit äußerst „wichtigen“ Dingen beschäftigt ist, sieht gerade so aus:

6:50 get up, get dressed
7:00 wake up the boys, get the twins dressed
7:30 Breakfast, make everybody eat fruit

until 8:50: get the boys to
– brush their teeth
– feed the dog and the fish
– let the hens out and feed them

8:50 oliver, john, francis and felix go to school, joseph and max to their playgroup
9:00 do the housework
– clean all the children’s rooms
– hoover „all downstairs“ (about 100 m²)
– wash, hang out, iron and put the clothes away

12:15 prepare lunch
12:30 twins home, have lunch with them

1:30 twins go for a nap – BREAK
3:00 wake the twins up
3:30 collect the „big boys“ from school and
-play in the garden
or
– get them ready for beavers/karate/swimming/homework
or
– go to the playground

4:30 teatime
5:30 bathtime
6:10 get everybody
– to brush their teeth
– put their dirty clothes in the wash
– put the hens in their shed
– clean away the toys
6:30 watch a dvd/read a story
7:00 bedtime for the boys
after that: clean the kitchen

the V.I.W.s

Eigentlich befinde ich mich gerade im Urlaub auf den britischen Inseln, aber in Wirklichkeit betreibe ich Kulturforschungen.
Heute setzte ich mich zum Beispiel mit der Frage auseinander, wieso man als unter 18-Jähriger in britischen Postämtern keine Schere kaufen darf oder warum dort die Stimme der aufrufenden Bandansage (cashier number…, please) je nach Geschlecht des Postangesellten männlich oder weiblich ist.
Haben die vielleicht zwei Aufruf-Ansage-Anschalt-Knöpfe an den Tischen?
Ist es zu verwirrend, wenn man von einer Frauenstimme aufgerufen, aber von einem Mann bedient wird?
Oder soll einer armen Frau, die unter Androphobie leidet die Chance gegeben werden, fluchtartig bei Erklingen der Männerstimme den Raum zu verlassen?
Fragen über Fragen, aber Antworten hab ich auch noch keine, vielleicht fällt euch was ein.
Ich beschäftge mich außerdem gerade mit einer ganz besonderen Spezies – den V.I.W.s.
Eigentlich dachte ich diese Spezies schon in meinen zehn Monaten Aupazeit ausreichend erforscht zu haben, aber damit lag ich falsch, gestern wurde wieder unheimlich viel dazu gelernt.
Meine Probandengruppe, bestehend aus fünf very important wifes haben einen Weg gefunden ihren Männern klar zu machen, dass sie sich ab jetzt noch öfter mit ihren Freundinnen treffen müssen (und die Männer das finanzieren sollen), weil sie jetzt eine wichtige Aufgabe haben: Das Besprechen von Büchern. Deshalb kommt man jetzt alle paar Wochen als „bookclub“ zusammen, so auch gestern am Tag meiner Ankunft. Und ich durfte mit. (um die kids zu bespaßen)
Treffpunkt war ein überteuertes Cafe mit einer herrlichen Auswahl an Eisbechern und Kuchen, aber leider waren alle noch „so full“ vom Mittagessen oder sogar dem vorangegangenen Abend, dass davon nichts angerührt werden konnte.
Ein Treffen läuft ungefähr so ab:

Gratulationen an Izzy, die uns voller Stolz ihr „neues Baby“ präsentiert, was sie und Simon sich nun ENDLICH leisten können und jedes seiner Fortschritte langatmig ausbreitet. (Name des Babies: Bed and Breakfast, Fortschritt: Tapetenfarbe ausgesucht)
Danach Bewunderung von Elizabeth, die doch tatsächlich neben einer reichen Kinderschar fast ihre Ausbildung zur Fitnesstrainerin abgeschlossen hat, und zu Hause alles so toll verwaltet (mit Aupair, Gärtner und Putz- und Bügelhilfe) , was David mit seiner harten und schweißtreibenden Arbeit am Schreibtisch erwirtschaftet. (in der Firma seiner Eltern und mit Sekretärin)
Aber Heather leistet noch Größeres. Qualen hat sie auf sich genommen, um Geld „for charity“ zu „verdienen“, denn wenn man einfach spenden würde, hätte an ja nichts mehr zu tun, und nichts mehr zu erledigen. Drei Berge mussten bestiegen werden und zwischendurch wurde man mit einer Luxuskarosse vom einen zum anderen Berg gefahren und dass von einem „unglaublich untalentierten“ Fahrer. Während der Fahrt musste die Arme Häppchen essen, aber niemand hatte bedacht, dass sie Vegetarierin ist und zun allem Übel hat ihr „Träger“ (den man nun wirklich braucht bei den „Bergen“ in England und bei einer eintägigen charity Veranstaltung) auch noch ihren schicken  Rucksack mit Schweiß besudelt, weshalb jetzt ein neuer hermuss –  gut, dass Arthus ihr gerade diese Woche wieder Haushaltsgeld gegeben hat, das wird reichen, zumindest für eine kleine billige Handtasche  um die 200 Pfund, so wie Kylie Minogue eine hat.
Doch Heather spricht sich dann doch eher für die Tasche von Katie Holmes aus – und ich verlasse den Tisch und begebe mich zu den Zwillingen ins Bällchenbad.

Als wir dann eine Stunde später das Cafe verlassen, fällt Gracie plötzlich der Grund für das Treffen wieder ein:
„Und, wie fandet ihr denn das Buch?…“ – kurzes Schweigen und verstohlenes Zu Boden Schauen, bis es Gracie dann doch zugibt:
„Ach naja, eigentlich habe ich es sowieso nicht gelesen.“
(Die anderen übrigens auch nicht, aber das brauchen die Männer ja nicht zu erfahren)

Aupairieren

Unsere Ferien verbringen der Liebste und ich dieses Jahr auf den britischen Inseln, in Irland und England. Kost und Logis sind frei, niemals morgens ausschlafen, immer Krach und action und zudem SECHS KINDER inklusive.
Nein, verrückt geworden sind wir nicht, wir besuchen nur die Familie, in der ich als Aupair gearbeitet habe.

Nachdem ich mit der Schule fertig war wusste ich nicht wirklich was ich als nächstes machen sollte und Stress mit Muddi hatte ich obendrein, was tun?
Ich kann gut mit Kindern und verreise gern – also wurde sich schnell auf einer Aupairseite im Internet angemeldet.
Keine zwölf Stunden nachdem ich mir in mühsamer Kleinstarbeit ein Profil erstellt hatte, klingelte auch schon das Telefon.

„Hi, this is Yvonne from the UK. We live in a small village near Manchester with six kids under six years. Would you like to be our new Aupair?“
„Ähm, (lass mich kurz überlegen), okay.“

Und zwei Tage später begann die Reise auch schon – mit einem Nervenzusammenbruch.
Muddi und ich, immer noch nicht die besten Freunde, stritten im Auto auf dem Weg zum Flughafen und fuhren auf dem Berliner Ring in die falsche Richtung.
Irgendwie schafften wir es aber dann doch 15 Minuten vor Abflug zum check in zu hetzen, mitlerweile heulten alle, die Muddi, die Schwestern und ich, was dem netten Bodenperson genug Mitleid einflößte, um mir den Koffer direkt zum Flugzeug zu tragen und mich nach kurzem Abtasten sofort als letztes einsteigen zu lassen.
Nun hatte ich erst einmal richtig Zeit zu überlegen, auf was genau ich mich da eingelassen hatte. 6 Kinder, alle Jungs, sechs, fünf, drei und zwei Jahre alt und dazu zehn Wochen alte Zwillinge, die in einem riesen Anwesen in der englischen Pampa lebten – wollte ich das wirklich?
Viele Zeit zum Nachdenken gab es allerdings nicht, denn schon war ich wieder gelandet und suchte am Ausgang meinen Gastvater, der mich abholen sollte, nur kam der nicht.
Und ein Handy hatte ich auch nicht. Und keine Telefonnummer, geschweige denn Geld zum Telefonieren. Zu allem Übel  fiel mir auch noch ein, dass ich nicht einmal den Nachnamen der Familie wusste.
Es folgte Nervenzusammenbruch Nummer zwei an diesem Tag.

Nach ungefähr einer Stunde tauchte dann aber doch eine Frau mit einem Schild mit meinem Namen darauf auf. Es handelte sich um ein Taxi, was mein Gatsvater organisiert hatte, weil er in einen Unfall verwickelt wurden war.
Nun ging die Reise also endlich weiter, durch die Felder und Wiesen des wundervollen West Yorkshires, eine traumhafte Gegend, und irgendwann erreichten wir dann auch das Haus meiner Gastfamilie.
Die Eltern empfingen mich herzlich und präsentierten mir sogleich ihre schlafende Kinderschar. Ich glaube die in einem Bett Händchen haltenden Zwillinge Joseph und Max waren der Grund, wieso ich mich sofort in diese Familie verliebt habe, was mich stressige Aupairmomente und Streitigkeiten überdauern ließ und mir heute eine zweite Familie tausende Kilometer weit weg schenkt, bei denen ich nach Monaten zur Tür herein kommen kann und es so scheint, als wäre ich niemals weg gewesen.

Und noch etwas habe ich neben sechs kleinen Brüdern bekommen. Eine dritte Schwester.
Den ganzen Kinderstress habe ich glücklicherweise nicht allein bewältigt, sondern mit einem wunderbaren Mädchen aus Holland, mit der ich trotz 10 Monaten auf engstem Raum und obwohl wir täglich 24 Stunden zusammen verbacht haben nur ein einziges (und nur ganz kurz) Streit hatte.
Diese Martje und ihr Freund Jess besuchen uns im Übrigen nächste Woche.