Das Räuberkind

Letzte Woche hüteten wir das Räuberkind.
Sein Lieblingssatz: Ich will spiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieln! Und das macht das Räuberkind dann auch, egal wann und wo und was gerade ansteht. Und wehe, man will es davon abhalten, weil man vielleicht gerade in die Straßenbahn einstegen muss, oder es sich etwa erlaubt, jetzt zu Mittag essen zu wollen.
Apropos essen: Das Räuberkind darf alles essen, auch Stöcke, Steine, Gras und Blätter, nur bei der Zigarettenkippe, war ich mir sicher, dass seine Mama das dann doch nicht erlaubt. (wurde vom Räuberkind aber dennoch mit großem Gezeter verlangt)
Außerdem ist das Räuberkind ohne Windeln aufgewachsen, und es gewöhnt, dass sofort auf seinen Harndrangschrei: „Pipiiiiiiiiiiiiiiiiiie!“ reagiert wird, oder man besser noch, wie seine Mama am Gemütszustand bemerkt, dass es jetzt mal muss. So gut beherrschen der Liebste und ich das noch nicht, aber man lernt schnell, wenn man angepinkelt wird…
Das mag anstrengend klingen, aber wir mögen das Räuberkind trotzdem sehr.
Und deshalb waren wir mit ihm im Zoo, der ist nämlich in unserer Stadt besonders schön, weil die Tiere nicht in Käfigen hocken, sondern in großen Gehegen, die ihrem Zuhause nachgebildet sind, wohnen. Außerdem ist der Zoo in Kontinente unterteilt, Es gibt die ganze Welt zu sehen, nur Südamerika wird gerade noch gebaut.
Das Räuberkind wollte übrigens am liebsten die Tiger besuchen, den Liebsten zog es zu den Affen (warum nur?) und ich fühle mich auf keinem Kontinent wohl, sondern vor allem unter Wasser, im Auquarium.
Klingt vielleicht langweilig, ist es aber bei uns ganz und gar nicht.
Man kann dort zum Beispiel durch einen abgedunkelten Raum laufen, Unterwasserwelten aller Ozeane links und rechts bestaunen und wird direkt auf ein bunt schillerndes Korallenriffpanorama geführt.
Da ist dann leider die Romantik vorbei, denn alle paar Sekunden ruft irgendein Dreikäsehoch: „Mama, guck mal, Neeemo.“ und anstatt die Eltern dann sagen: „Aber nein, Karl-Theodor, das ist ein Clownfisch“ antworten sie: „Und schau, da ist Dori!“

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fünfundvierzig Minuten

margarete_audrey hatte mal einen festen Freund. Der rief sie eine Woche vor ihrem Geburtstag an und sagte: „margarete_audrey, mit uns bin ich mir gar nicht mehr sicher!“
Da fiel margarete_audrey aus allen Wolken und begann die Gründe zu erfragen.
Irgendwann dann auch: „Hast du eine andere geküsst?“.
„Nein, das nicht, aber…“ mit „einer anderen“ hatte er geschlafen.
Und was macht man da? Genau, Schluss.
Und dann? Heulen.
Und dann? Die beste Freundin anrufen.
Und wenn die nicht rangeht? Dann eben den besten Freund.
Genau das hat auch margerete_audrey gemacht.

Ihr bester Freund heißt Mister unicycle. Die beiden verbringen eigentlich jeden Tag miteinander. Und haben zufällig fast immer die selben Univeranstaltungen. Danach gehen sie dann zusammen Mittagessen. Oder Einrad fahren. Oder sie schauen sich einen Film an. Jedenfalls verstehen sie sich blendend.
Irgendwann merkt margarete_audrey auf einmal, dass Mister unicycle doch eigentlich ziemlich gut aussieht und gut riecht und so musikalisch und intelligent und überhaupt ziemlich perfekt ist.
Leider hat aber Miss Dreadhead erzählt, dass Mister unicycle gesagt hätte absolut nichts für margarete_audrey zu empfinden, außer tiefe Freundschaft. Mist.

Eines Tages sitzen margrete_audrey und Mister unicycle wieder einmal in margarete_audreys Zimmer und diskutieren gerade, ob er nicht ihre Mitbewohnerin ersetzen soll, die bald auszieht und was das für Auswirkungen auf die Freundschaft haben könnte.
Plötzlich sprudelt es aus margarete_audrey heraus: „Es könnte vielleicht eventuell passieren, dass ich vielleicht möglicherweise Gefühle für dich entwickeln könnte, wenn wir noch mehr Zeit zusammen verbringen würden.“
„Auch ich muss sagen, dass ich dir nicht ganz abgeneigt bin.“
Es folgt ein Hin und Her von immer genauer werdenden Zuneigungsbeschreibungen, bis es schließlich aus margarete_audrey herausplatzte:
„Also eigentlich bin ich schon von Kopf bis Fuß in dich verliebt!“

Und was sagt Mister Unicycle dazu: „Jetzt muss ich erstmal aufs Klo.“
margarete_audrey ist geschockt und beginnt zu warten, eine, fünf, zehn Minuten. Dann kommt Mister unicycle endlich wieder aus dem Bad und sagt: „Wir treffen uns in fünfundvierzig Minuten an der Brücke.“ und verlässt fluchtartig die Wohnung.
Daraufhin ist für margarete_audrey mal eben kurz die Welt zusammengebrochen, absolut lächerlich hatte sie sich gerade eben gemacht und eine ihrer besten Freundschaften mit ihrer Gefühlsduselei zerstört.
Zur Brücke ist sie dann trotzdem gefahren. Der dort wartende Mister unicycle empfing sie als zitterndes Wrack mit den Worten „Margarete_audrey, wollen wir zusammen sein?“

Es dauerte dann noch weitere fünfundvierzig Minuten bis ich mich wieder gefangen hatte und zum ersten seit Monate fälligen Kuss bereit war. Der erwieß sich übrigens als wunderbar.
Am Dienstag ist das alles ein Jahr her.
Seitdem ist Mister Unicycle mein Liebster geworden und nach drei Monaten bei mir eingezogen, um gleich die Monate wieder wett zu machen, die wir damit verbracht haben uns vorzumachen, dass wir „nur Freunde“ sind.

Wer sich übrigens fragt, wieso Mister Unicycle margarete_audrey diese schrecklichen fünfundvierzig Minuten Folter angetan hat, dem sei gesagt: die Enkel sind schuld.
Schließlich sollte sie denen später mal nicht erzählen, ihr erster Kuss mit dem Opa hätte sie an Knutschen mit einem Walroß erinnert. Denn das wäre geschehen, wäre er nicht schnell nach Hause gefahren um sich den von ihr verachteten udn schon viel zu langen Schnurrbart ab zu rasieren.

Danke, Liebster, für dieses erste Jahr!

Eine Woche Held sein…

Die letzte Wochen musste ich mich von acht bis zwölf täglich anhimmeln, bewundern und vergöttern lassen.
„Du hast aber eine schöne Schrift, margarete_audrey.“
„Spielst du schon lange Gitarre, das klingt voll schön.“
„Die Stunde hat aber viiiel Spaß gemacht.“
„Dd bist genauso lieb wie meine Mama.“
„Kommst du morgen wieder zu uns?“

Vielleicht habt ihr es schon erraten, ich war in einer Grundschule (mit dem Liebsten zusammen) tätig. Als Aushilfe für eine hiesige Gruppe, die in Schulen Projekte organisiert, unterichtete ich Klassen 1 bis 4 zu dem Thema „Unsere Musikstadt“. Es wurde gebastelt, gemalt und natürlich gesungen und über Musikerbiographien gesprochen, die mit unserer Stadt in Zusammenhang stehen.
Ich musste den Kindern hauptsächlich Lieder beibringen. Leider waren es nicht ON SE FLUHR, WAKKA WAKKA (wahlweise auch LOKAH LOKAH) oder eines der wunderbaren LADY KACKA songs, die die Kids normalerweise als Lieblingslieder angaben (und in den Pausen lauthals durch die Gänge posaunten).
Nur den Geschmack eines Kindes traf ich mit unsererm von der Projektleitung vorgegebenen „Das Wandern ist des Müllers Lust“ : Sein Lieblingslied: „Bunt sind schon die Wälder“…
Aber auch wenn Klassik oder Volkslieder eher das sind, was Lisa-Marie samstags bei Oma immer im Fernsehen anschauen muss, oder wohin Kai laut seiner Aussage von Opa immer „mit hingeschliffen“ wird, sangen spätestens beim Wandern über den Schulhof alle mit.
Und konnten wir alle Strophen dieses wunderbaren Liedes, zog ich noch ein Ass aus dem Ärmel: Dieses  „Prachtstück“ aus Dunkeldeutschland.
Und wer jetzt denkt, dafür wurde ich von der ON SE FLUHR Generation ausgelacht, der irrt!
Dieses Lied lässt das Klassenzimmer (UND so manche Grundschullehrerin) rocken!
Und sogar der skeptische Liebste und ich singen es nun AUSWENDIG den ganzen Tag und können NICHTS dagegen unternehmen.

Gelernt habe ich dieser Woche übrigens NIEMALS wieder zu sagen: „Das könnt ihr heute aben Mami und Papi vorsingen/zeigen/erzählen“ Denn darauf folgt mit Sichheit: „Ich hab aber NUR Mami“ „Kann ichs auch dem Onkel Klaus zeigen?“ oder sogar „Aber ich wohne doch bei meiner Oma!“

Außerdem wurde ich von den Lehrerinnen vor jeder Stunde gewarnt:
„Machen Sie BITTE nichts Offenes, das sind unsere Kinder nicht gewöhnt, die WOLLEN von der Tafel abschreiben.“
oder auch
„Wenn ‚die vorne‘ mitmachen, dann haben Sie schon viel geschafft“
ersetzbar durch
„Auf Justin/Jason/Melanie müssen Sie keine Rücksicht nehmen, die können sowieso nichts und stören bloß.“

FAZIT
Um Grundschüler zu beeindrucken reichen 2 Stunden Gitarrenunterricht, drei Akkorde und voll schöne Schrift.
Es gibt keine intakten Familien mehr.
Und vor allem: BLOSS NICHT AUF JEDEN EINZELNEN SCHÜLER EINGEHEN.

Hello world!

Mein letzter Tagebucheintrag ist 4 Monate und 6 Tage alt. Seine gerade einmal 11 Sätze füllen die letzten 1,5 Seiten eines Buches, das mich 2 Jahre 5 Monate und 9 Tage lang begleitet.
Längst ist Zeit für etwas Neues. Seit einer Weile spiele ich mit dem Gedanken einen eigenen blog zu schreiben, schließlich lese ich täglich aus mehreren Leben anderer und schlussendlich ist Frl. Krises Bloggeburtstag daran schuld, dass ich jetzt auch unter die blogger gehe, schließlich schreibt die dass man SOFORT ANFANGEN SOLL!

und da man Lehrern gehorchen muss, mache ich das jetzt!